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art KARLSRUHE 13. bis 16. Februar 2020
Eine Veranstaltung der

Alessandro Casciaro

Kapuzinergasse 26/a, 39100 Bozen
Italien
Telefon (+39) 0471 975461, (+39) 328 212 4435
Fax (+39) 0471 975461
info@alessandrocasciaro.com

Hallenplan

art KARLSRUHE 2020 Klassische Moderne und Gegenwartskunst Hallenplan (Halle 3): Stand H3/F21

Geländeplan

art KARLSRUHE 2020 Klassische Moderne und Gegenwartskunst Geländeplan: Halle 3

Künstlerdetails

Kategorie: Gegenwartskunst

Robert Pan

Die Wirkung der Werke von Robert Pan ergibt sich aus ihrer Schönheit von Konzept und Konstruktion, aus der Intensität und Pracht ihrer Farben, aus der Genauigkeit und sicheren Wirkung der Nuancierung dieser Farben. Die Pigmente werden in mehreren aufeinander folgenden Schichten aufgetragen und mit Harz versiegelt, und gefeilt und poliert, alles im Lichte sorgfältig konstruierter Beziehungen zwischen Bereichen von Opazität und Transparenz. Die Handwerkskunst von Pan ist das Mittel zur Erreichung einer mehrdimensionalen, nachhaltigen und nachhaltigen Entwicklung. Farberlebnis, in dem größere und komplexere Töne durch die unterschiedliche Artikulation der darunter schwingenden Farbtöne entstehen. Robert Pan hat immer auf das Offensichtliche geschaut und sich wieder einmal entschieden, in Orte außerhalb des Bereichs der Vernunft zu reisen. Er verkompliziert unsere Vision von der täglichen Erfahrung und führt uns über das Bestehende hinaus in das Paradies der Vorstellungskraft, auf die Antipoden der objektiven Beobachtung. Er lässt uns sowohl das Sichtbare als auch das Unsichtbare, die materielle Physik und die immaterielle Idee, den unbestimmten Blickwinkel nicht weniger als die Welt der unmerklichen Details, den metaphorischen Farbfluss und die unveränderliche Verfestigung von Harzen erfassen.

 
Robert Pan ist im Jahr 1969 in Bozen geboren. Von 1987 bis 1991 studiert er an der Akademie der Bildenden Künste in Urbino. In den Jahren 1991–92 lebt und studiert er in Paris. Nachher verbringt der Künstler zwei Jahren in London.  Im Jahr 1993, dank eines Stipendiums, fährt Robert nach New York, wo er bis 1995 lebt. Nach seiner Rückkehr studiert er an der Akademie der Bildenden Künste in Venedig mit Emilio Vedova. Von 1998 bis 2002 lehrt er an der Design-Akademie in Bozen. Von 2014 lebt und arbeitet der Künstler in Bozen.

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Kategorie: Gegenwartskunst

Giovanni Castell

Der deutsche Künstler geht seit Jahren mit seiner Suche, durch welche er komplexe digitale Verarbeitungen von Fotografie und architektonische Elemente oder virtuelle Plätze zusammensetzt, weiter. Er will nicht die Realität wiederherstellen, wie es mit der Fotografie geschieht, vielmehr schafft er eine neue Realität, einen eigenen Ort oder eine Landschaft, mit einem offensichtlichen malerischen Ansatz. Wenn die vorgehenden Werke von starken objektiven und erzählerischen Elementen geprägt waren, ist sein neuer Zyklus fast beschaulich. Das Zitieren (eindeutig ist die Beziehung auf die Ikonografie und Färbung des amerikanischen Abstrakt-Expressionismus) wird wieder vom Künstler für die tiefe Verbindung, die zwischen dem Produkt der eigenen Imagination und der erlebten Realität und dem Erbe, das die klassischen Meister der Malerei uns gelassen haben, hervorgehoben. Es ist wie eine Art Verehrung und gleichzeitig eine Reaktualisierung seiner Arbeit. Inspiration und kreative Impulse schöpft Castell aus der Ruhe und Kontemplation. Das sei, so der Künstler, wie das Träumen, vieles ist in unserem Unterbewusstsein gespeichert und kommt dann, in der Stille, zum Vorschein. Die daraus entstehenden Bilder drücken weniger konkrete Ereignisse oder Geschichten aus, sondern mehr eine Grundstimmung, persönlich Empfundenes und Gefühltes, es geht aber wohl auch um allegorische Zeichen und kollektive Gedächtnisinhalte. Motive und Zeichen aus unterschiedlichen Räumen und Zeiten, bruchstückhafte Spuren der Vergangenheit, der Gegenwart und einer möglichen Zukunft werden zueinander in Beziehung gesetzt und bedingen eine Fülle von Interpretationen und Assoziationen.

Giovanni Castell ist 1962 in München geboren. Der Autodidakt arbeitete jahrelang als Mode-, Design- und Produktfotograf, bevor er in den späten 80er Jahren seine Karriere als Künstler begann. Er lebt und arbeitet in Hamburg.

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Kategorie: Gegenwartskunst

Lois Anvidalfarei

Mit ihren massigen Körpern und intensiven physischen Präsenz nehmen sie den Umraum ein und fordern zum Dialog auf, so etwa die in einem Eisenstangenkonstrukt eingeschlossenen Menschenfiguren: zusammengekauert oder mit ausgestreckten Gliedmaßen erscheinen sie wie eingekeilt und gefangen, aber auch be- und geschützt wie in einem Cocoon. Unweigerlich stellt sich die Frage, wie bildhauerisch fordernd es sein muss, geistig wie physisch, derartige Körpervolumina zu formen, ihnen aber gleichzeitig, bei all ihrer Schwere – so widersprüchlich das scheinen mag – auch eine gewisse Leichtigkeit zu verleihen. Anvidalfarei spricht von einer regelrechten Sucht, die ihn antreibt, Körper in schwerer Bronze Figur werden zu lassen. Seine Inspiration und Wahrnehmung sind geprägt von der unmittelbaren Lebenserfahrung, die sich auch vom bodenständigen Leben als Bauer speist. Der Künstler blickt mit ungeschöntem Blick, aber auch mit viel Liebe und Empathie auf das Sein und die menschliche Existenz. Mit Titeln wie „Im Werden“, „Der verlorene Sohn“ oder „Versöhnungsgruppe“ sind seine Skulpturen eine Materie gewordene, emotional-existenzielle, ja religiöse Erfahrung. Der Künstler belebt die Bronze, das scheinbar Unförmige folgt keiner klassischen Proportionslehre, sondern nimmt Modell am realen Körper, oft auch am eigenen Leib. Die Arbeit ist für ihn unausweichlich eine Auseinandersetzung mit sich selbst, seinen Gemütszuständen, seiner Seelenverfassung, seinen Emotionen. „Immer geht alles von mir aus, von meinen Gedanken, von meinen Händen“, betont Anvidalfarei. „Die Frage ist, wie tief, wie ernst, wie klar ich mit diesem Arbeiten zu leben imstande bin und ob es mir gelingt, durch diesen Prozess in eine universale Dimension zu kommen, die dann nicht nur mich als Individuum, sondern mehr Menschen, die ganze Menschheit betrifft.“ Es sind meist massige Figuren, Männer wie auch Frauen, die nicht den Schönheitsidealen und Vorstellungen des Zeitgeistes zu entsprechen scheinen und doch um so vieler näher an der Wirklichkeit sind als die Models und Society-Stars, die uns ständig von Hochglanzmagazinen, Internetforen oder Filmen entgegen lächeln. Die Bronzeskulpturen sind nicht abstrakt, nicht konzeptionell, auch nicht völlig innovativ, was das Medium und seine Umsetzung, seine Themen betrifft, und doch sind die Arbeiten in ihrer authentischen Wahrhaftigkeit und intensiven Lebendigkeit zeitgemäß und gegenwärtig. Anvidalfareis Menschen leben in unserer Welt und gleichzeitig in ihrer ganz eigenen, sie interessieren sich nicht für uns Betrachter/innen und doch können wir nicht davon ablassen, sie anzusehen, uns mit ihnen auseinander zu setzen. Anvidalfarei lebt in Abtei im Gadertal und ist ein Weltbürger. Immer wieder treibt es ihn über die Grenzen des Landes hinaus, er kommt aber auch gerne wieder zurück, in die „Einöde“, wie er sagt, denn hier sei er viel aktiver und kreativer als etwa in einer großen Stadt. Das Land, die Natur, die Arbeit auf dem Hof waren und sind sein Kraftfeld und schöpferischer Antrieb. Wohl nur hier konnte er eine derartig glaubwürdige skulpturale Sprache erschaffen und bewahren. Eine gesteigerte, machtvolle Körperlichkeit, nie surreal überzeichnet oder formal reduziert, sondern einfach eine wahrhaftige wie authentische Darstellung von uns Menschen. Ein zeitloses Thema.

Lois Anvidalfarei wurde 1962 in Abtei, Südtirol geboren. 1976 bis 1981 besuchte er die Staatliche Kunstschule in St. Ulrich im Grödnertal. Ab 1983 folgte ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Dort erhielt Lois Anvidalfarei seine entscheidende Prägung als Zeichner und Bildhauer durch die Begegnung mit dem Werk und der Person von Prof. Joannis Avramidis. Seit 1989 lebt und arbeitet er in Abtei.

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Kategorie: Gegenwartskunst

Kinki Texas

Holger Meier, alias Kinki Texas, ist in erster Linie ein Maler, der einen unglaublichen Instinkt für die Linienführung und Farbe besitzt. Er ist ein schneller arbeitender, geradezu ungestümer Künstler, der völlig instinktiv handelt, wenn er Gewichtungen und Akzente auf der Leinwand oder auf dem Papier setzt. Aber genau aus diesem Grund besitzen seine Werke eine besondere, ursprüngliche Schönheit. Die Übersteigerung ist sicherlich eine Charaktereigenschaft der Kunst von Kinki Texas, der dazu neigt, einige ästhetische Intuitionen auf den Punkt zu bringen, indem er visuelle Extremerfahrungen sucht, in denen Furcht einflössende Epiphanien und monströse psychische Zwitterwesen Gestalt annehmen. Das, was der Bremer Künstler selbst den „Kinki Texas Space“ genannt hat, ist die Projektion einer Vorstellungswelt, in denen sich gegensätzliche Impulse und Instinkte gegenseitig hochschaukeln, ein Experimentierfeld für unvorstellbare geistige Auswüchse, ein Laboratorium für dreiste Versuche, aber auch die Bühne, auf der Schiessereien und Duelle bis zum letzten Blutstropfen, grausame Folter und sadistische Machtspiele zur Aufführung kommen. Kinki Texas stellt oft eine blutige Welt dar, in der konflikte reagieren, die aber nichtsdestotrotz extrem lebendig ist und dabei nicht frei von humoristischen oder ironischen Elementen ist. Gewalt, Sex, Liebe, Tod, Betrug, Ruhm, Aufstieg und Fall, das sind die Grundzutaten für eine Geschichte, die würdig ist erzählt zu werden. Man darf dabei nicht vergessen, dass in dem von Kinki Texas beschriebenen Universum die Realität oft umgestürzt ist, die Regeln auf den Kopf gestellt werden, sogar absichtlich ignoriert werden, misshandelt und verletzt werden. Alles zu dem Zweck, die Primärenenergie der visuellen Wahrnehmung freizusetzen, um so das wilde Herz des Pop mit der Malerei zum Schwingen zu bringen in seiner Wahrhaftigkeit, in seiner Widerspenstigkeit und in seiner Nicht-Konformität.

Kinki Texas wurde 1969 in Bremen geboren, wo er lebt und arbeitet. Seit 1987 werden seine Werke in verschiedenen Einzel- und Kollektivausstellungen gezeigt. Seit 1994 arbeitet er mit digitalen Techniken und seit 1999 hat er sich auf dreidimensionale Animation, Videoinstallationen und Musikvideos spezialisiert. 2005 hat er an der philosophischen Fakultät der Universität Bremen promoviert.

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Kategorie: Gegenwartskunst

Antonello Viola

In seinen Werken, seien es Gemälde, Zeichnungen oder Glasmalereien, erzeugt Antonello Viola einen farblichen Rahmen, in dem die Malerei zum Ort für die Besinnung wird, für die Suche nach dem Absoluten, und zwar durch Zusammenballung, Schichtung, Ablagerung. Indem er Farblasierungen übereinander legt und dann entfernt, abkratzt, löscht, verwandelt der Künstler das Unsichtbare zu Sichtbarem. In die ruhige Oberfläche des Werkes bricht das Chaos ein und legt sich wie ein Zischen, wobei es die reiche und bebende Tiefe offenbart, deren Ergebnis es ist. In der Schichtung ist die Erinnerung der im künstlerischen Prozess geistig verarbeiteten Seherfahrungen eingelagert, und sie wird durch die verfeinerten Goldtöne, die durchscheinenden Türkistöne und die eleganten Rotbrauntöne sublimiert. In der leicht plastischen Dichte seiner Werke bringt Viola eine neue Beziehung mit dem Raum ins Spiel, einen neuen Dialog zwischen der inneren Dimension des Werkes und seinem Umfeld. Mit vier Linien definiert der Künstler den Bildraum: Rechtecke umrahmen geistige Seen, die gesättigt sind mit Farbe und Stille. Der Künstler geht nicht instinktiv oder empirisch vor, sondern er geht von einem genauen Projekt aus; er zeichnet ein Rechteck oder Quadrat, das in seiner bewussten Einfachheit die schwierige Aufgabe hat, die Farbe in der „Umzäunung“ zurückzuhalten; diese wird jedoch ständig erschüttert, durchdrungen von den unermüdlichen Schwingungen der Malerei. Die Rahmen sind offen für das Unvollendete, das Unbestimmte, eine Art Andeutung der Zusammenballung, die die Linie ablehnt, um die Farbe triumphieren zu lassen. Viola etabliert eine neue Beziehung mit der modernen Tradition des Monochromen, bei der die Reduzierung der Bildelemente einer „konstruktiven“ Sicht der Welt und der Wahrnehmung entspricht, die in der Farbe die Kraft für ihre Wiedergeburt findet. Die Ablagerung der Farbmaterie, ihre Konkretionen und ihre kaum wahrnehmbaren Unebenheiten erscheinen wie ein Rückwärtsgehen, das das pulsierende Leben in der Malerei wiederentdeckt, eine Lebensdimension, wo die in den Malfluss eingebetteten Erinnerungsfragmente mit dem menschlichen und wertvollen Gewicht der Zeit und der Materie verschmelzen.

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Kategorie: Gegenwartskunst

Arnold Mario Dall'O

Dall’O zeigt, dass die Kunst im 21. Jahrhundert den Stab von der Philosophie übernommen hat, und setzt eine richtiggehende Strategie um, die Theorie und Praxis vereint. Seine Malerei entzieht sich den Fachkategorien, um sich auf die Ebene des Diskurses zu begeben, und vor allem wandelt er sie zu einem Instrument zur konzeptionellen Ausarbeitung um. Er entzieht sie also der Vorherrschaft des weit verbreiteten Bildes, um sie untrennbar mit der konzeptionelle Intention zu verbinden, seine Kunst verzichtet auf ein präzises Zentrum zugunsten eines gewundenen Verlaufs mit vielen syntaktischen und mnemonischen Ablenkungen, wobei er stets die Ausdrucksform an die Spitze des kreativen Prozesses setzt. Dem vom Künstler strukturierten Malprozess wohnt untrennbar eine metalinguistische Reflexion inne, sie sich im kreativen Prozess entfaltet und sich dabei über den Sinn der Malerei und die Rolle des Künstlers in der heutigen Gesellschaft befragt. Auf diese Weise verwandelt der Künstler seinen festen ethischen Grundsatz – ein existentieller und gestaltungsbezogener Grundsatz – in ein wohlorganisiertes ästhetische Paradigma. In Einklang mit der theoretischen und ästhetischen Suche derjenigen, die die Erinnerung als strukturierendes Identitätsmerkmal des Individuums verteidigen (darunter der Historiker Hobsbawn mit seinem Schrei „protest against forgetting“), leistet A. M. Dall’O eine ethische Arbeit, deren Ziel es ist, die Erinnerung und vor allem die überzeugende Prägnanz eines jeden Bildes gegen die allgegenwärtige Invasion der sinnentleerten Medienikonen, die täglich unsere Sinne erreichen, zu verteidigen. Indem er „reine“ Bilder aus der Medienflut entnimmt, die wegen der Reizübersättigung der Vergessenheit anheimfallen, lässt er die Objektivität der Fotografie mit der Subjektivität der Malerei in Dialog treten, die Erkennbarkeit der visuellen und identitären, historischen und chronikalischen Codes (Kleider, Haltungen, Physiognomik) mit der Tiefe der Zeit mise en abyme. Die Fotografie, „falsch auf der Ebene der Wahrnehmung, wahr auf der Ebene der Zeit“, wie Barthes sagte, wird wegen ihrer Proustschen Dimension des Empfindens mittels Affekten und Gefühlen als Katalysator und Palimpsest verwendet.

Arnold Mario Dall'O ist im 1960 in Bozen geboren. Studierte an der Kunstakademie in Venedig bei Emilio Vedova. Von 1998 bis 2002 war er Dozent für Kommunikation an der Akademie für Design in Bozen. Heute lebt und arbeitet er in Bozen und Irland.

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Kategorie: Gegenwartskunst

Andrea Facco

Andrea Facco gehört nicht zu der Generation postkonzeptueller Künstler, die sich an Modellen einer zu Grabe getragenen abstrakten, konkreten oder figurativen Malerei abarbeiten wollen. Seine Arbeiten sind nicht selten Demonstrationen von Etwas, dessen mediale Realität wir nicht auf Anhieb erkennen und erfassen. Ihn interessiert in einer Konfrontation von Makro- und Mikrostrukturen den Betrachter in das Bild hineinzuziehen. Ihn interessiert die Verschränkung unterschiedlicher Reproduktionsebenen. Gemalte Wirklichkeit trifft auf gemalte, fotografische Bildwelten, die wir in der Wirklichkeit antreffen. Zum Anderen viviseziert er die Bildoberfläche (etwa eines Tizian) und fordert unsere Wahrnehmungsfähigkeit insofern heraus, dass unser Auge zu einem mikroskopischen Instrument wird. Der Künstler fordert uns auf, über die eigene Wahrnehmung und deren Gewohnheiten nachzudenken. Die sinnliche Materie, sprich Pigment und Abfälle bei der Bildproduktion, Farbmaterie in des Wortes eigentlichster ontologischer Bedeutung, Reste, die im Atelier zurückbleiben sind für ihn und für uns sinnliche Erfahrungen aber auch in ihrer Rückbezüglichkeit auf den Prozess der Bildherstellung Denkgegenstände. Facco ist Paolini, der sich ebenfalls mit der Bildkonstruktion befasst, nicht unähnlich, freilich ungleich sinnlicher, „materialistischer“, für den das Studio und das Instrumentarium der Bildherstellung zum Denkgegenstand, zum Ausgangspunkt des Nachdenkens über Kunst wurde. Das subtile und intellektuelle Spiel des Künstlers kreist um andere Künstler als jene Paolinis. Er ist stärker der Moderne verpflichtet, den aus Farbresten produzierten „gefälschten“ Morandis, dem berühmten Stuhl mit den Malutensilien Picassos, den Farbspuren am Boden Jackson Pollocks und last but not least dem kürzlich aus Farbe selbst geschaffenen Selbstporträt Van Goghs.
Wirklichkeit (und hier liegt auch die Aktualität des bisherigen Oeuvres) ist immer wahrgenommene Wirklichkeit. In der bewussten Erfahrung von Wahrnehmung wird sie reflektierte und kommentierte Wirklichkeit. Die Strategien der Täuschung werden entlarvt und schärfen unsere Sinne. Der Maler Andrea Facco führt uns immer etwas vor Augen, was unsere Wahrnehmungsfähigkeit herausfordert und zugleich unsere Bereitschaft schärft, über die eigene Wahrnehmung und deren Gewohnheiten aber auch die mögliche Rolle der Malerei heute, nachzudenken.


Nach dem Diplom erhalten an der Akademie der Bildenden Kunst in Bologna mit Concetto Pozzati in 2000, wird er im 2005 von Peter Weiermair, damaliger Direktor des GAMs in Bologna, an der Ausstellung Bologna Contemporanea, einen Rückblick über die letzten 30 Jahren der bolognesischen Malerei, da er einer der versprechensten Künstler im internationalen Bereich ist, eingeladen. Im gleichen Jahr stellt er in New York Room with a view bei der Grey Art Gallery – New York University Museum aus. Im 2006 findet die Ausstellung Escodentro und im 2008 Le cose che pensano bei der Galerie Biagiotti Progetto Arte in Florenz, statt. Nach seiner langen Reise in China in Chaoyang, eröffnet eine Ausstellung in Verona bei der Galerie Box Art, Waiting for Beijing, kuratiert von Luca Beatrice. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die Malerei als zu analysierendes Objekt: das Subjekt ist nicht nur das dargestellte Bild, sondern auch die Art der Darstellung. Als Teil der Bilder, die uns täglich umgeben, schafft er heterogene Werke, die das Bildmedium nach seinen eigenen intellektuellen Absichten übernehmen und anpassen. Zu den jüngsten Einzelausstellungen, an die wir uns erinnern: Il Doppio del Gioco, kuratiert von Peter Weiermair, Galerie Goethe, Bozen (2013); Lo strano caso di Joan Mitchell, kuratiert von Alberto Zanchetta, Museum der Zeitgenössischen Kunst, Lissone (MB) (2014) und Ignoto, kuratiert von Daniela Ferrari, Galerie Alessandro Casciaro und Kulturzentrum Trevi, Bozen (2015). Er stellte in Prag (Tschechien), Kiel (Deutschland), Graz (Österreich), Peking (China), Singapur, Hanoi (Vietnam), Seoul (Korea), Tokio (Japan), Neu-Delhi (Indien), Porto Alegre (Brasilien) und in Italien im Luigi Pecci Centre for Contemporary Art in Prato, im MACRO in Rom, in der Stiftung Stelline in Mailand, im „Museo della Permanente“ in Mailand, im MART in Rovereto, in der Giorgio Cini Foundation in Venedig, aus. Seine Werke werden von der VAF-Stiftung in Frankfurt (Deutschland) erworben. Im Jahr 2018 wurde er mit dem Aldo Tavella International Prize ausgezeichnet. Im 2019 ist er mit der Arbeit the floor of J. Pollock's studio in der Ausstellung PASSION, 12 Projekte für italienische Kunst in der Abteilung "MATERIA", im MART in Rovereto, anwesend.

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Kategorie: Gegenwartskunst

Salvatore Mammoliti

Salvatore Mammolitis Darstellungen von reifen Früchten sowie Insekten gehören in die Tradition einer technisch bravourösen, ja virtuosen, hyperrealistischen Stilllebenmalerei, die in Italien bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht. Auf verblüffende Weise hat diese Malerei der Naturwirklichkeit in den Früchtearrangements, symbolisch übersteigerten Manifestationen der Vergänglichkeit und des sinnlichen Genusses zu den Reflexionen der heutigen Zeitgenossen geführt, bei denen das Natürliche zum überall und zu Jederzeit erhältlichen Konsumgegenstand degeneriert ist, das Seltene und Exotische zum täglich Verfügbaren wurde und in der Kunst eine neue Bedeutung erlangt hat. Ich denke dabei an die ironische Ikonographie der Popkünstler von Oldenburg bis Warhol aber auch die französischen und amerikanischen Hyperrealisten. Mammolitis Stillleben veranschaulichen auch durch die Isolierung der Objekte in den weißen Bildräumen die vielfältigen Beziehungen von Natur und Kultur. Seine Früchte, die er gruppiert, teilt und öffnet, definieren sich nicht nur stofflich, sondern auch symbolisch. Als kunstvolle Reproduktion der bereits kultivierten Natur offerieren diese Stillleben eine Metaebene der kulturell überformten und interpretierten Natur. In ihnen dokumentiert sich die Beziehung von Kunst und Leben, von ästhetischem Schein und Gebrauchswert, von Fiktion und Realität, von Sinn und Sinnlichkeit. Auf den ersten Blick glauben wir, es handelte sich hier um die in Italien so beliebten Früchtedarstellungen, doch auf den zweiten Blick lernen wir Mammoliti als einen Zirkusdirektor besonderer Art kennen, der nicht mit wilden Tieren, sondern mit Früchten und Schmetterlingen eine Art zirzensisches Theater vorführt. Im Leerraum des Bildes ordnet er die Früchte zu akrobatisch anmutenden Gleichgewichtsübungen, spielt mit Schmetterlingen und Raupen, kombiniert in einer Art Monstranz einen Radicchiokopf mit einer Erdbeere im Inneren oder legt eine halbierte Birne so flach, dass sie wie der Akt einer liegenden Frau aussieht. Vor ihm haben bereits viele Maler den sinnlichen Charakter von Früchten entdeckt und haben dabei Metaphern für Körperteile mit sexuellen Konnotationen gefunden. Wir kennen die Analogie von Banane und Phallus aber auch die Bedeutungsspiele mit geöffneten Früchten und weiblichen Geschlechtsorganen. Mammoliti ist in diesem Sinne ein Surrealist, der mit seinem Inventar, der Welt der Früchte als ein Meister der hyperrealistischen Malerei verblüffende Bedeutungsspiele vorführt.


Salvatore Mammoliti wurde 1959 in der Provinz von Reggio Calabria geboren, wo er sein Studium am Staatlichen Kunstinstitut und an der Akademie der bildenden Künste mit einem "unmöglichen Interview" mit Giorgio De Chirico abschloss. Sein Studium des berühmten Künstlers und zugleich der Meister der Vergangenheit führte ihn zur Malerei als "Rückkehr zum Handwerk". Dieses Gemälde wird zwischen 1985 und 1987 in Brescia, im Atelier des Malers und Illustrators Giambattista Bertelli und später mit dem Wissen des Meisters Ulisse Sartini, einem international bekannten Porträtmaler, weiter vertieft. Bis 1992 war seine Malerei durch ein "magisches und inspiriertes Figurativ, mit einem vagen traumhaften Geschmack" vertreten, wie Paolo Levi es im Band Immagine e struttura definiert. Das Interesse des Autors am fotografischen Bild wuchs im 1992, als er, nachdem er seinen Hang zur narrativen Malerei aufgegeben hatte, zu einem "konzeptuellen Hyperrealismus" kam. Die Werke dieser Zeit erregten die Aufmerksamkeit von Tiziano Forni, der sie 1995 in der Ausstellung Continuità del talento präsentierte. Die Motive des "Scotch", die bereits in diesen Arbeiten vorhanden sind, werden zu einem festen Bestandteil der letzten Leinwände, wo durch die Transparenz dieses Klebstoffs interessante "Fruchtfragmente" eingesperrt werden. Die Ausstellungstätigkeit des Künstlers begann 1989 und seitdem hatte Mammoliti zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in Italien und im Ausland. Er ist auch bei einigen Ausstellungen vertreten, wie dem Suzzara-Preis (1992), den beiden Mailänder Ausgaben des Imaginaria-Preises (1992, 1994), gefördert von der Rinascente-Gruppe, vier Ausgaben des Carlo Dalla Zorza-Preises (1996, 2000, 2002, 2006), veranstaltet von der Galerie Ponte Rosso in Mailand und dem Lissone Award (1999). Im Jahr 2006 beteiligte er sich in Zusammenarbeit mit der Galleria 44 in Turin mit seiner Arbeit Equilibri in "Manifesto", einem künstlerischen Projekt, das die Stadt selbst anlässlich der Olympischen Winterspiele in Auftrag gegeben hat. Im Jahr 2008 führte er im Auftrag der Samuelis Baumgarte Galerie ein großes Stillleben mit Kirschen für die AIDA CRUISES auf dem Kreuzfahrtschiff AIDAbella durch.

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Kategorie: Gegenwartskunst

Eduard Habicher

Eduard Habichers skulpturale Formen haben die vertraute Idee eines in sich abgeschlossenen künstlerischen Objektes mit einer explizit artikulierten Form nie abgelegt. Seine Plastiken versagen sich der Annäherung an das bloße Alltagsobjekt ebenso wie den lapidaren Grundstrukturen des Minimalismus, stets sind sie als künstlerische Gegenstände wahrnehmbar. Dennoch ist ein unübersehbar entgrenzendes Moment in ihnen wirksam, ein zugleich Öffnendes und Umschließendes, in dem die fundamentale Verschiebung der modernen Skulptur hin zum Austausch zwischen plastischem Objekt und Umraum in höchster Spannkraft zum Ausdruck kommt. Der für die Moderne zentrale Gedanke der Skulptur, die in den Raum eindringt oder den Raum in sich eindringen lässt und dabei ihre Energien freisetzt, verzerrt, bündelt oder auflöst, erfährt in Habichers Kunst eine neue Dynamik. Formal transformiert er die wesentlichen Parameter der Skulptur wie Gewicht, Gleichgewicht, Statik, Stabilität und Volumen in sein bestimmendes Thema von Schwere und Leichtigkeit, von Bewegung und Raum, von Schweben und Fallen. Wie Bindfäden verknotet, setzen die gebogenen und wehenden Stahlbänder aus Doppel-T-Eisen oder ovalen Röhren Bewegungspotentiale und eine Formensprache frei, die expressiv und gestenhaft wie die Malerei des Informell ist. Sie kommen aus der Mauer heraus, verbinden Räume miteinander, nisten an der Wand, dienen als Befestigung für verbrannte Holzstücke, stehen als Solitäre herum und manchmal ist ihr Schatten ebenso wichtig wie der skulpturale Körper. Häufig tragen sie sprachspielerische Titel und immer spielen sie mit der Furcht um ihre Balance. Trotz aller räumlichen Durchdringung bleiben sie eigenmächtig wie die Flüchtigkeit verwehender Zeichen. Ob in einem alten Gemäuer, im Freien oder in einem Galerieraum – Habichers Kunst besteht darin, sich auf einen Raum einzulassen und diesen in Schwingungen zu versetzen, gleichzeitig aber auch darin, seine skulpturalen Findungen aus seiner besonderen Einlassung auf seine Werkstoffe Stahl und die an die Arte povera gemahnenden Findlinge aus Holz sowie Glas abzuleiten und diese in jeder Umgebung zu behaupten. Habicher kann Eisen lebendig machen, die rohe Körperlichkeit seines Materials in starke Präsenz einerseits und ätherische Flüchtigkeit anderseits transformieren. Seine Skulpturen sind federleichte Emotionen und Gedanken in Stahl.


Eduard Habicher wurde 1956 in Mals im Vinschgau geboren, studierte an der Accademia di Belle Arti in Florenz, lebt und arbeitet in Meran. Auf seine erste Einzelausstellung 1982 in Bari folgen weitere Ausstellungen in Bozen, Mailand, Florenz (1986); in jenem Jahr wird eine seiner Arbeiten vom Padiglione d’Arte Contemporanea in Mailand angekauft. Es folgen Ausstellungen in der Galleria Civica in Modena, im Frankfurter Kunstverein, in der Galleria Civica d'Arte Contemporanea in Trient und in Arezzo im Jahr 1993. 1998 wird er von der Pinacoteca Civica, Santa Maria delle Croci in Ravenna zu einer Einzelausstellung eingeladen. 2003 präsentiert er eine wichtige Einzelausstellung auf Schloss Pergine, wobei die Werke sowohl im Inneren als auch außerhalb der alten Gemäuer angebracht werden. 2006 installiert er auf der mittelalterlichen Festung Sigmundskron, die Reinhold Messner zu einem Bergmuseum umgestaltet hat, drei große Skulpturen in weiß und rot lackiertem Edelstahl, wobei die alten Mauern und die luftige Leichtigkeit seiner Arbeit eine reizvolle Verbindung eingehen. Als einer der interessantesten internationalen Bildhauer beteiligt er sich an Kollektivausstellungen in verschiedenen Museen in Südamerika, in der Kärntner Landesgalerie in Klagenfurt, im Park des New Art Centre in Salisbury (Großbritannien) sowie an der Dänischen Akademie in Rom.

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