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art KARLSRUHE
Eine Veranstaltung der

Galerie Georg Nothelfer

Corneliusstraße 3, 10787 Berlin
Deutschland

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Vera Ehe

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nothelfer@galerie-nothelfer.de

Unsere Künstler

Künstlerdetails

Kategorie: Kunst nach 1945

K.R.H. Sonderborg

*1921 in Sonderborg/ Dänemark, †2008 in Hamburg
Mit K.R.H. Sonderborg ist das Deutsche Informel aufs Engste verbunden. Inspiriert von der gestischen Malerei des amerikanischen Abstrakten Expressionismus, zeigt sich in seinen Bildern und Zeichnungen die Faszination für technische Konstruktionen und deren Spuren der Bewegung. Es zeigt die Form in ihrem Entstehungsprozess. Dabei wandte Sonderborg einen spontanen Farbauftrag an. Er schaffte somit ein dynamisches Struktursystem. Seine Pinselführungen waren eher Hiebe mit dem Malwerkzeug, die in einer schnellen Geste ausgeführt wurden. Seine bevorzugten Farben waren dabei Schwarz und Weiß mit roten Elementen, die er mit einer Reibe- oder Wischtechnik auftrug. Seit den 70er Jahren näherte sich sein Werk immer stärker einer auf Kontrolle bedachten, fast gegenständlichen Formensprache an. Er beschränkte sich auf wenige kontrastreiche Farbtöne, in der Regel Schwarz auf Weiß. Aus fotografischen Privat- und Presseaufnahmen destillierte er Motive, die er so aus Ihrem narrativen Zusammenhang isolierte und die ihm als optische Grundstruktur zur Anregung dienten. Dabei blieb er seiner Vorliebe für technische Konstruktionen treu, wobei die graphische Struktur von Autoscheibenwischern und Oberleitungen ihn gleichermaßen inspirierten wie Hafenkränen oder Gastanks. 

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Kategorie: Gegenwartskunst

Birte Bosse

*1984 in Gherden/Niedersachsen
Bosses Formensprache gilt der Suche nach ständiger Selbsterneuerung im Skulpturalen wie im Zeichnerischen. Ihre Werke verweisen auf die Einzigartigkeit des Daseins mit sensiblem Humor. Dabei bilden ihre Zeichnungen die Basis als Sammlung von Reflexionen unserer Alltags- und Beziehungswahrnehmung.

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Kategorie: Gegenwartskunst

Richard Serra

*1939 in San Francisco/ USA
Richard Serra ist einer der bedeutendsten US-amerikanischen Bildhauer der Gegenwart. In reduzierter, abstrakter Formensprache thematisiert Richard Serra die Bezüge von Objekt und Raum, Volumen und Gewicht. Insbesondere nutzt der Künstler rostenden Stahl, seine Skulpturen zeichnen sich durch Monumentalität aus und nähern sich der Kunstform des Environments an. Damit wird der Betrachter aktiver Teil der Werke. Neben der Skulptur experimentiert der Künstler in den 1960er und 1970er Jahren auch mit Film und Video. Nicht zuletzt entsteht ein herausragendes grafisches Oeuvre: Zeichnungen und Druckgrafiken begleiten das skulpturale Schaffen spätestens seit den frühen 1970er Jahren. Die raumgreifenden Arbeiten auf Papier und Leinwand sind teilweise von überwältigender Größe und entfalten eine ähnliche Wucht wie seine Skulpturen. Es handelt sich dabei nicht um Entwurfszeichnungen sondern um autonome und eigenständige Werke. Allerdings sind Bezüge zu seinen Skulpturen nicht zu übersehen. Während diese den architektonischen Raum definieren, sitzen die Kreise, Quadrate und Flächen massiv im Zeichnungsgrund und scheinen ihn zu sprengen. Serra verwendet ausschließlich die Farbe schwarz, um jegliche Assoziation an Farbbedeutungen zu vermeiden. 

 

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Kategorie: Gegenwartskunst

Madeleine Dietz

*1953 in Mannheim
Madeleine Dietz ist bekannt für Arbeiten, die Stahl und Erde miteinander kontrastieren und kombinieren: Stahl als scheinbar kaltes, glattes und konstruktives Prinzip im Gegenüber zur Erde als gebrochenem, unebenen, aber lebendigem Prinzip. Ein überraschendes Mit- und Gegeneinander, das den Fingern, die über die Oberflächen der Materialien fahren, ganz unterschiedliche haptische Erfahrungen vermittelt. Und das seinen Reiz nicht zuletzt dadurch entwickelt, dass die Dimension der Zeit eine wichtige symbolische Rolle spielt: Die Erde als natürliches scheinbar Vergängliches, der Stahl als gestaltetes scheinbar Ewiges. Mit Erde, Stahl und Licht hat Madeleine Dietz ein künstlerisches Werk geschaffen, das in seiner Symbolik kaum zu übertreffen ist.

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Kategorie: Kunst nach 1945

Emil Schumacher

*1912 in Hagen, † 1999 in San José, Ibiza
Emil Schumacher erfährt als einer der bedeutendsten Vertreter des Deutschen Informel auch international hohe Anerkennung. Bereits in den 1950er Jahren entwickelte er, beeinflusst vom französischen Tachismus und dem amerikanischen Action Painting, eine eigenständige abstrakte Malweise. In seiner Malerei spürte er Materie und Farbe in besonderem Maße nach. Er trug Farbe dick als Materialschicht auf den Bildträger auf, in sie hinein zog er fließende Liniengerüste aus Gäben und Furchen, die das Bild durchströmen, wie wilde Flüsse das Erdreich, die die Erdkruste aufreißen und den Bildern eruptive Kraft, aber auch Verwundbarkeit verleihen. Als poetische Bildsubstanz kamen allerdings auch alltägliche Materialien wie Drahtgeflechte, zerknülltes Papier, Steine, Stroh, Metall oder Sand zum Einsatz. So erinnern Schumachers Bilder immer wieder an Erdgeschichte, an urzeitlich geologische Zustände der erkalteten Erde, an vulkanische Verkrustungen mit hochgetriebenen Horizonten. Mitte der 1970er Jahre fing er an Asphaltbrocken zu zertrümmern, sie mittels Hitze aufzuweichen, um sie mit dem Hammer abzukanten und mit dem Bildgrund zu verschmelzen. Sein Spätwerk zeichnet sich einerseits durch zunehmende formale Kargheit, aber auch durch kraftvolle, leuchtende Farbfelder und durchbrechende Bewegungslinien aus. 2009 eröffnet das Emil Schumacher Museum in Hagen.

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Kategorie: Gegenwartskunst

Britta Lumer

*1965 in Frankfurt a.M.
Britta Lumer hat in den vergangenen Dekaden ein in sich konsistentes Werk erarbeitet, das sich zum Großteil auf Papier ereignet und sich dennoch nicht ohne Weiteres als ein zeichnerisches begreifen lässt. Denn hier wird nichts Gegenständliches gefasst oder getroffen und in der künstlerischen Darstellung festgehalten oder aufbewahrt. Stattdessen scheinen ihre durchaus ins Figurative spielenden Arbeiten auf Papier – nicht selten monumentale Ansichten von Körpern, Portraits, Architekturen und Stadtlandschaften – ihre Sujets jeweils an den Rand der Auflösung, der Verflüssigung zu treiben. Diesem beabsichtigten Sprung ins Ungefähre entspricht der Einsatz der malerischen Mittel. Für ihre großformatigen Tuschezeichnungen hat sie einen vollbeweglichen Arbeitstisch konstruiert, um die fließende Tusche in alle Richtungen dirigieren zu können. Jahrelang hat sie an innovativen Arbeitstechniken gefeilt, um eine stimmige Balance zwischen dem Planbaren und dem Zufälligen stets neu ausloten zu können. So erscheint in ihren Bildern nichts an seinem festen Platz, alles an Kontur könnte grundsätzlich auch in anderen Spuren verlaufen. Doppelungen, lineare Verschiebungen, Pigmentansammlungen, Verläufe von Hell-Dunkel-Kontrasten offenbaren ein Maß an Kontingenz, das uns das Dargestellte fremd werden lässt und sich dennoch in gesteigertem Maße zur kontemplativen Betrachtung eignet. Statt fertige Projektionen zu liefern, erarbeitet Lumer Projektionsflächen, zu deren Vagheit und Zartheit wir uns als Betrachter nie so verhalten können, als ließe sich das zu Sehende als eine Formulierung von bereits Bekanntem deuten. Text: Daniel Marzona

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Kategorie: Kunst nach 1945

Gerhard Hoehme

*1920 in Geppin bei Dessau, † 1989 in Neuss
Gerhard Hoehme ist einer der wichtigsten Vertreter der Deutschen Nachkriegskunst. War seine Kunst anfangs stark der gestischen und informellen Malerei verbunden, suchte er bald nach neuen Gestaltungsmöglichkeiten. Hoehme beschäftigte sich mit den materiellen Beschaffenheiten seiner Malmittel. Farbschollen, die er von alten Leinwänden abkratzte, schichtete er zu haptischen raumgreifenden Objekten übereinander (Borkenbilder). In Bezug auf das traditionelle Format des Tafelbildes suchte Hoehme neue Freiheit und Unabhängigkeit: Er betrachtete das Bild als offenes, energetisches Feld, das sich auf die Umgebung hin ausdehnt. Daraus resultierend entwickelte er unregelmäßig konturierte Leinwände – eine frühe Vorwegnahme der „shaped canvases“. Er arbeitet bereits in den 50er Jahren mit Kunststoff und gilt als ein Pionier für die Verwendung von Polyäthylenschläuchen in Malerei und Skulptur. Bis heute sticht er mit seinen raumgreifenden Bildern und Schnurplastiken hervor.

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Kategorie: Gegenwartskunst

Pegasus Product

Das Kollektiv Pegasus Product besteht aus den Künstlern Dargelos Kersten, Anton Peitersen und Gernot Seeliger. Gemeinsam befassen sie sich mit Raumkonzepten. Das Kollektiv schafft und platziert künstlerische Kreationen in einer erweiterten Szene.
Pegasus Product widmet sich der abgebrochenen, offenen Kante, dem zivilisatorischen Grind und schafft Artefakte und Requisiten einer zeitgenössischen Mythologie als Linse zur Betrachtung des eigenen Daseins und als Werkzeug zur eigenen Verortung. Industriell in allumfassender Logik von Wirtschaftlichkeit hergestellt ist das neue Pressspan-Möbel günstiger als sein Material. Sowie sein Inneres durch die abgebrochene Kante zum Vorschein kommt wird es mitsamt aller energetischen Ladung, die es durch den täglichen Gebrauch erhielt, an einer dunklen Ecke, wo Anonymität und Armut sich treffen können, entsorgt. Als kleine Inseln zeitgenössischer Archäologie sind diese Ecken sind wie natürliche Quellen von Zeugen unseres existenziellen Kontexts. Ist das uringetränkte Billy Regal eine heimliche Globusbar oder Hausaltar? Sind Mikrowellen Stühle? Ist die zerbrochene Salzkristalllampe doppelt, oder nur noch halb so wirksam? Pegasus Product ist eine junge, dynamische Gemeinschaftspraxis von Dargelos Kersten, Anton Peitersen und Gernot Seeliger, die neidisch das generische Konsumgut beäugt, und sich unverhohlen sucht scheinbar bewährte Produkte anzueignen und weiterzuentwickeln, die abgebrochene Pressspankante salonfähig und Pflastersteine als energetisch heilsam erlebbar zu machen.

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Kategorie: Kunst nach 1945

Peter Brüning

*1929 in Düsseldorf, †1970 in Ratingen
Brüning gehört zu den wichtigen Vertretern des Deutschen Informel der 1950er und 60er Jahren, geht aber schon früh einen sehr eigenen Weg. Durch die Eigenart, in aufeinander bezogenen Serien zu arbeiten, bilden sich im Laufe der Zeit mit der ständig neuen Artikulation des Raumes frei erfundene, individuelle Zeichen heraus, die durch ihre jeweils andere Anordnung innerhalb des Bildes strukturell modifiziert werden. Aufgrund dieser Entwicklung ist Anfang der 60er Jahre eine ausgeprägte Tendenz zum Skripturalen hin festzustellen. Eine Auseinandersetzung der divergierenden Vorstellungen von Fläche und Raum findet statt. Die Werke zeugen bald von einer ausgereiften Handhabung dieser 'Zeichen' und markieren einen weiteren Kulminationspunkt, der zugleich End- und Wendepunkt einer sich international als offen zu verstehenden Malweise ist. 1988 erhält Brüning die erste Einzelausstellung in der Galerie Georg Nothelfer.

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Kategorie: Gegenwartskunst

Geerten Verheus

*1965 in Amsterdam
Geerten Verheus arbeitet in seinem Werk häufig mit der Umkehrung. Er invertiert Skulpturen, Collagen, Bilder und Objekte in einen anderen Aggregatzustand und verleiht so der Ursprungsform stets neuartige funktionale und ästhetische Inhalte. In seinen jüngsten Arbeiten widmet er sich der Malerei und Leinwänden unter dem Aspekt der Bildhauerei: „Die skulpturalen Wandarbeiten sind Ergebnisse meiner Untersuchungen zur Objekthaftigkeit der bemalten Leinwand. Die Frage, inwiefern Bilder gleichzeitig auch Objekte sind, wird vermutlich ebenso häufig diskutiert wie als irrelevant abgetan. Für mich ist diese Frage alles andere als abwegig. Denn als skulptural denkender Künstler ist mir der Bezug zwischen meiner eigenen physischen Präsenz und der eines Gegenstandes stärker bewusst als der Bezug zwischen mir und einem Bild.“ Seinen bemalten Leinwänden fehlen die Keilrahmen, die Form wird also nur über die Farbe gehalten. Verheus stülpt die Unterseiten der Leinwand um und macht so die Oberfläche der Leinwand oben als Vorderseite sichtbar, der untere Teil der Leinwand ist die eigentliche Rückseite der Leinwand. Der mittlere Teil der Leinwand, der weder nach hinten noch nach vorne gefaltet ist, zeigt sich in seiner vollen Breite und trägt so zu einer Form bei, „die eine großzügige Selbstöffnung suggeriert, die alles einlädt, alles offenbart, ein Exhibitionismus im wahren Sinne des Wortes.“

 

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Kategorie: Gegenwartskunst

Thomas Hartmann

*1950 in Zetel (Bremen)
Für Thomas Hartmann sind Gegensätze der Schlüssel zur Malerei, da sie die Auseinandersetzung des Eigenen mit dem Anderen meinen. Im Mittelpunkt seiner Arbeiten steht daher die Spannung zwischen dem Ganzen und seinen (einzelnen)Teilen. Immer wieder kehrendes Kernmotiv in seinen Bildern und Zeichnungen ist das Verhältnis des Einzelnen zur Gemeinschaft. In der permanenten Metamorphose seines Werkes, das durch ein weites Panorama geheimnisvoller Motivwelten führt, hat er eine ganz eigene Handschrift entwickelt. So finden sich Figuren und Landschaften, Städte und Natur in seinen Arbeiten wieder.

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Kategorie: Kunst nach 1945

Eduardo Chillida

*1924 in San Sebastián, †2002 in San Sebastián
Eduardo Chillida ist einer der weltweit bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Neben den zahlreichen international verbreiteten Skulpturen schuf er ein umfangreiches grafisches Werk. Grundthema in seinem gesamten Oeuvre ist der Raum, sowohl der physikalische wie auch der geistige und sinnliche Raum. Chillida beschäftigt der Gegensatz von Materie und Leere, wobei er das Nichts auch als Raum versteht, der von Masse umschlossene, begrenzte Raum. Das Spannungsverhältnis zwischen massivem Material und der optischen Auflösung desselben wird auch in seinem grafischen Werk sehr gut sichtbar. Die ausnahmslos in Schwarz und Weiß gehaltenen Arbeiten zeichnen sich durch ihre gleichsam konkrete und spielerische Formensprache aus und überzeugen darüber hinaus aufgrund ihres hohen ästhetischen Wertes.

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Kategorie: Gegenwartskunst

Damien Daufresne

*1979 in Paris
Fotografie und Film. Dabei sind Licht, Dunkelheit und Bewegung die Elemente, womit er Körper oder Körperhaftes suggeriert. "Das physische Material ist ihm wichtig. Neben der Kohle und Kreide hier also das Fotopapier, die Filmrollen und auch die Chemikalien. Gerade diese aggressiven, unter die Haut gehenden Stoffe erzeugen den notwendigen Widerstand. Sie reagieren – und er reagiert darauf. Was die Arbeiten eint: Sie verzichten auf Farbe, das Schwarz-Weiß dominiert. Die Vielfältigkeit von Grau zeigt sich in den jüngst entstandenen großformatigen, flächigeren Bildern. Das Grau schimmert hier bräunlich, gelblich, bläulich. In seinen Zeichnungen, Fotografien und Filmen schafft Daufresne Momente der Verdichtung, denen ein dunkles Geheimnis oder auch ein noch verdecktes Strahlen innewohnt. Er legt darin die Poesie der Dinge frei." (Text: Cara Wuchold). Daufresne arbeitet auch mit verschiedenen Verlagen, wie "Fata Morgana", "Delpire", "Origini edizioni" und "Blow-Up" zusammen.

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Kategorie: Kunst nach 1945, Gegenwartskunst

László Lakner

*1936 in Budapest
Lakner gehört zu den vielseitigsten Künstlern der Gegenwart. Der Teilnehmer der documenta und der Biennale Venedig wechselt ebenso zwischen den Medien – Malerei, Zeichnung und Skulptur, Konzept und Film – wie zwischen den Stilen. Er arbeitet ebenso realistisch wie gestisch abstrakt, er eignet sich fremde Signaturen in großformatigen Tafelbildern an und erstellt malerisch behandelte Buchobjekte. Ein zentraler Einfluss, der sich in den verschiedenen Aspekten seiner Kunst niederschlägt, ist die fernöstliche Kultur. Sie führt zu monumentaler fotorealistischer Malerei und zu ungegenständlichen meditativen Zeichnungen. 

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Kategorie: Kunst nach 1945

Henri Michaux

*1899 in Namur/Belgien 
Der französische Schriftsteller, Maler und Zeichner Henri Michaux gilt als Ausnahmekünstler, dem es gelang, unabhängig voneinander ein eigenständiges dichterisches und ein künstlerisches Werk hervorzubringen. Sowohl in der Dichtung wie in Zeichnung und Malerei suchte Michaux Spielformen, um sein inneres Erleben aufzuzeichnen und zu unbekannten Erfahrungen vorzustoßen. Sein literarisches wie künstlerisches Werk sind durch einen unbedingten Willen zur Unabhängigkeit von Schulen und Stilen, durch die Auflehnung gegen jede Form von Konvention charakterisiert. Das rastlose Reisen des jungen Michaux, der Verzicht auf festen Wohnsitz und materiellen Komfort, die bewusste Konfrontation mit der Fremdheit ferner Länder wie mit dem Experimentieren mit Drogen zeugen von seinem fordernden Umgang mit der eigenen Existenz. Gedichte zu verfassen konnte diesem Verlangen nur teilweise genügen; Zeichnen und Malen sollten dem inneren Erleben Ausdruck verschaffen, das sich der Sprache entzieht. In übersteigert schnell hingeworfenen Notaten, die alles bewusste Können hinter sich lassen, suchte Michaux dafür einen adäquaten Ausdruck. In seinen Tuschzeichnungen nimmt Michaux skripturale Elemente und kalligrafische Zeichen auf, die seismografisch aus inneren Bewegungen hervorgehen. Die Systeme der Wort-Sprache und der Zeichen-Sprache durchdringen sich gegenseitig. Bei aller Tendenz zur Abstraktion bleiben seine Bilder doch der Gegenständlichkeit verhaftet. Intendiert ist nicht Weltflucht, sondern Welterweiterung durch Bewusstseinsveränderung. Die Galerie Georg Nothelfer zeigte Michaux erstmalig 1994 in einer Einzelausstellung.

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Kategorie: Kunst nach 1945, Gegenwartskunst

Jan Voss

*1936 in Hamburg
Durchgehendes Thema seiner Malerei ist das "Geordnete", sich aber gleichzeitig in ständiger Bewegung befindliche Chaos einer vielgliedrigen Situation. Seine Arbeiten zeigen in seiner unverwechselbaren Handschrift unser Leben als einen vielschichtigen, oft chaotischen Zeitverlauf. In unserer medial geprägten Zeit reflektiert er die unzumutbare Summe von Zeichen, die wir täglich aufzunehmen und zu verarbeiten haben. Voss experimentiert mit diversen Techniken und Materialien; es gibt sowohl kraftvolle, farbintensive als auch leise, erzählende und eher zeichnerisch wirkende Arbeiten auf Leinwand. Dem gegenüber stehen die aus zerrissenen Aquarellen collagierten Papierreliefs. Ob Leinwand, Holz- und Papierrelief oder Aquarell, allen gemein ist die Anhäufung verschiedener Farb- und Formelemente, die ineinander greifen, sich überschneiden und durch Linien, Zeichen und Zeichenfragmente miteinander verbunden sind. Voss wendet diese Formensprache vorerst auf das zweidimensionale Bild, später seit den 80er Jahren auch auf das dreidimensionale Objekt an. Folglich zählt alles, was der "Bildwerdung" dient: Knittern, falten, reißen, sägen, nageln und kleben. Voss sucht die ständige Veränderung. Durch neue Bildfindungen und Materialerkundungen gelingt es ihm, stets unverwechselbar zu bleiben. Diese Komplexität, die die Arbeiten von Voss auszeichnet, "soll," so Voss, "dem Betrachter assoziative Freiräume geben, erst dann entfaltet ein Bild seinen poetischen Gehalt. Darum darf der Betrachter nicht auf etwas Bestimmtes festgelegt werden. Sein Denkapparat muss frei kombinieren können". So wirken Jan Voss' Arbeiten auf den Betrachter einerseits rätselhaft und vielschichtig, aber auch optimistisch, fröhlich und vital. "Die Werke", so der mit dem Künstler befreundete Schriftsteller Peter Handke, "geben einem Haus Schwung, so wie man einer Schaukel einen Schwung gibt."

 

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Kategorie: Kunst nach 1945

Georges Noël

*1924 in Bézieres/Frankreich, †2010 in Paris
Noël gehört zu den wichtigen Vertretern des französischen Informel. Für seine pastose, materialhaltige Malerei verwendete er pulverförmige Pigmente, Sand und Klebstoff Polyvinylazetet und verteilte das Gemisch auf der Leinwand. In gestisch-automatischer Manier kratzte Noël in die teils weiche, teils gehärtete Malschicht skripturale Elemente oder symbolhafte Zeichen und entwickelte so die von ihm mit Palimpsest bezeichneten Bilder. Mit dem Begriff bezieht sich Noël auf den Beginn des Schreibens bei frühen Kulturen in Stein und Tontafeln, das Ausradieren und das wieder Eingravieren von Schriftelementen. Sein Vokabular an Zeichen zeigt sein Interesse an der Magie, der Symbolik und dem Geheimnis prähistorischer, mykenisch-archaischer und indigener Kulturen. 2018 wurde die L’Association des Amis de Georges Noël gegründet.

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Kategorie: Gegenwartskunst

Robert Schad

*1953 in Ravensburg
Der Bildhauer Robert Schad schafft aus massivem Vierkantstahl Zeichnungen im Raum. Linien entstehen dabei nicht durch Biegen und Verbiegen, sondern aus der Addition unterschiedlich langer, gerader Teile, die verschweißt werden. Die Schweißstellen werden verschliffen, erscheinen dadurch organisch, gelenkartig. Die zeichnerische Bewegung entfaltet sich in weiten Schwüngen und Bögen plastisch im Raum. Die Schwere des massiven Stahls ist aufgehoben. Es entsteht eine Verlaufsform mit menschlichen Proportionen, um sich tänzerisch im Raum zu entwickeln. Seine Skulpturen finden sich in über 50 Städten im In- und Ausland, so z.B. vor dem Bundesministerium für Finanzen in Berlin. 

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Kategorie: Kunst nach 1945, Gegenwartskunst

Walter Stöhrer

*1937 in Stuttgart, †2000 in Scholderup/ Schleswig Holstein
Walter Stöhrer gehört zu den „rebellischen Einzelgängern“ in der deutschen Kunst. Als ein Hauptvertreter der gestisch-figurativen Malerei hat er die nationale Kunstszene nachhaltig geprägt. „Ich bin kein abstrakter, ich bin ein figurativer Maler“ hat Stöhrer über sich gesagt, und seine sehr persönliche, emotionsgeladene künstlerische Vorgehensweise definiert er folgerichtig als „intrapsychischen Realismus“. Charakteristisch in seinen Werken ist das farbintensive, freie Zusammenspiel von Malerei, Schrift und Zeichnung mit figurativen und expressiv-gestischen Ausdrucksmitteln. Literarische Texte - besonders antike Philosophen und französische Surrealisten -, aber auch musikalische Ideen lieferten ihm oftmals Anregungen für seine malerischen und grafischen Arbeiten.

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Kategorie: Kunst nach 1945

Fred Thieler

*1916 in Königsberg, †1999 in Berlin
Fred Thieler ist ein wichtiger Vertreter des Deutschen Informel. Wesentlich für das Verständnis von Thielers Werk und seiner künstlerischen Entwicklung ist „sein Bestreben sowohl nach gestalterischer Freiheit als auch nach freier und offener Aufnahme seines Bildes durch den Betrachter. Malen ist für Thieler Befreiung von Zwang, sowie Ausdruck von Freiheit und Positionsbehauptung seiner selbst. Unter dieser Prämisse lehnt er auch eine eindeutige Bildinterpretation ab und negiert jede Absicht, Einfluss auf den Betrachter nehmen zu wollen.“ (Eva Müller-Remmert, Kuratorin). Vor diesem Hintergrund ist – nach den frühen, noch gegenständlichen Arbeiten der 1940er Jahre – Fred Thielers rasche Hinwendung zur abstrakten, gestisch-dynamischen Malerei zu sehen, die sich im Verlauf der 1950er Jahre unwiderruflich vollzieht und nicht zuletzt eine Befreiung von den im Dritten Reich erfahrenen Restriktionen darstellt. 2014 finden Retrospektiven im Museum Gunzenhauser, Sammlungen Chemnitz, und im MKM Museum Küppersmühle Moderne Kunst, Duisburg, statt.

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Über uns

Galerie-Information

Die Galerie Georg Nothelfer wurde 1971 von Georg Nothelfer gegründet. 30 Jahre befand sich die Galerie in der Uhlandstraße, im Zentrum West-Berlins. 2008 zog die Galerie in großzügige Räume im Tiergartendreieck um. Im Herbst 2010 wurde in Charlottenburg der Showroom Galerie Georg Nothelfer eröffnet. Bis zu seinem Tod leitete Georg Nothelfer die Geschäfte, seit Oktober 2020 führen seine langjährigen Mitarbeiterinnen Irene Schumacher und Vera Ehe die Galerie weiter.
Die Galerie versteht sich als Programmgalerie. Sie bezieht seit 50 Jahren auf dem sich ständig wandelnden Markt eine klassische Position und präsentiert im Schwerpunkt Informel, Tachismus und gestische Malerei, zeigt aber auch zeitgenössische Kunst, die sich mit dem Erbe des abstrakten Nachkriegsexpressionismus auseinandersetzt. Darüber hinaus ist eine Vielzahl von Publikationen und Künstler-Editionen unter Georg Nothelfer entstanden.

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