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art KARLSRUHE
Eine Veranstaltung der

Thole Rotermund Kunsthandel

Koppel 38, 20099 Hamburg
Deutschland
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Fax +49 40 68876989
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Ansprechpartner

Thole Rotermund

Kerstin Peters

Unsere Künstler

Künstlerdetails

Kategorie: Klassische Moderne

Lyonel Feininger, Village, 1908

Lyonel Feininger wird am 17. Juli 1871 in New York als Sohn eines Konzertgeigers und einer Sängerin und Pianistin geboren. Mit 16 Jahren begleitet er 1887 seine Eltern auf eine Konzertreise nach Europa. Mit Erlaubnis der Eltern besucht der junge Feininger zunächst an der Gewerbeschule in Hamburg die Zeichen- und Malklasse, ein Jahr später besteht er die Aufnahmeprüfung an der Königlichen Kunst-Akademie in Berlin, an der er von 1888 bis 1892 studiert. In Berlin beginnt Feininger früh für Zeitungen und Verlage zu arbeiten, die Nachfrage nach seinen Illustrationen und Karikaturen ist enorm. Ab 1905 widmet sich Feininger zunehmend druckgrafischen Methoden, wobei ein Großteil seiner herausragenden Holzschnitte erst zwischen 1918-20 entstehen, für die er noch heute als bedeutendster Holzschneider des 20. Jahrhunderts gefeiert wird. 1907 unternimmt er erste Versuche in der Ölmalerei, die anfangs noch deutlich impressionistisch-naturalistisch eingefärbt sind. Feiningers Weg vom gefragten Karikaturisten zum Künstler ist eine stetige Erprobung unterschiedlichster Techniken und künstlerischer Ausdrucksmittel und sollte erst durch ein Kubismus-Erlebnis 1911 in Paris in eine für ihn wegweisende Richtung gelenkt werden: Natureindrücke müssten "innerlich umgeformt und crystalisiert [!]" werden, hat er schon 1907 in einem Brief an seine zweite Frau Julia festgestellt – eine Einstellung, die später in der geometrisch-reduzierten Bildlichkeit mündet. Und ein entscheidendes künstlerisches Kapitel einleitet, für das der Künstler bis heute Bewunderung findet: die Welt kristallin zu gestalten. 1917 findet dessen erste Einzelausstellung in der Berliner Galerie „Der Sturm“ statt, zwei Jahre später gehört er zu den ersten Meistern, die Walter Gropius 1919 ans Bauhaus beruft. Als Meister für die grafische Werkstätte entsteht im gleichen Jahr Feiningers berühmter Titelholzschnitt "Kathedrale" für das "Bauhaus-Manifest". 1926-33 lebt Feininger in Dessau, ist nach der Bauhaus-Umsiedelung zwar noch Meister, jedoch ohne Lehrverpflichtung. 1926 bildet er mit Klee, Kandinsky und Jawlensky die Gemeinschaft „Die Blauen Vier“. 1929-31 entstehen die ikonischen Halle-Bilder. 1937 verlässt Feininger Deutschland und kehrt in sein Geburtsland zurück. Ungefähr 400 seiner Werke werden von den Nationalsozialisten als „entartet“ beschlagnahmt. 1947 wird Feininger Präsident der “Federation of American Painters and Sculptors“. Am 13. Januar 1956 verstirbt Lyonel Feininger in New York City.

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Kategorie: Klassische Moderne

Karl Schmidt-Rottluff, Stilleben, 1938

Karl Schmidt-Rottluff wird am 1.12.1884 in Rottluff als Sohn eines Mühlenwerkführers und dessen Frau geboren. Nach dem Examen entscheidet sich der junge Abiturient, der schon während der Schulzeit zeichnet, zum Studium der Architektur. In Dresden lernt er Erich Heckel, Fritz Bleyl und Ernst Ludwig Kirchner kennen, mit denen er die Künstlervereinigung „Brücke“ ins Leben ruft. Schmidt-Rottluff will endgültig eine Künstlerlaufbahn einschlagen, im selben Jahr lernt er den Künstler Emil Nolde kennen, der ihn auf die Insel Alsen einläd, wo Karl Schmidt-Rottluff seine ersten Bilder malt. In dieser Umgebung findet er auch zu seinem stark vereinfachenden Stil, der sich vor allem auch in den Holzschnitten zeigt. 1909 erscheint die erst Graphikmappe der „Brücke“, die ihm allein gewidmet ist. 1911 verläßt er Dresden, lebt zuerst in Norwegen und dann in Berlin, wo er bis 1933 wohnt. Am 27. Mai 1913 löst sich die „Brücke“ auf. 1915 wird er zum Kriegsdienst eingezogen und kann glücklicherweise im November 1918 nach Berlin zurückkehren. Durch zahlreiche Verkäufe an Museen und private Sammler verbessert sich seine finanzielle Lage, so daß er Auslandsreisen unternehmen kann. Seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten erreicht die Diffamierung durch die Nationalsozialisten 1937 ihren Höhepunkt. Schmidt-Rottluffs Werke werden in der Ausstellung „Entartete Kunst“ ausgestellt, 1941 erhält er das Malverbot. 1946 nimmt Karl Schmidt-Rottluff alte Kontakte zu Freunden auf und beginnt größere Bilderreihen anzufertigen. Am ersten Oktober 1947 beginnt er seine Lehrtätigkeit als Professor an der Berliner Hochschule für bildende Künste. Dort arbeitet er bis zur Emeritierung 1954. 1975, ein Jahr vor seinem Tod, wird er zum Pflegefall. Er stirbt am 10. August 1976 in Berlin.

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Kategorie: Klassische Moderne

Alexej von Jawlensky, Meditation, 1936

Im Schweizer Exil beginnt Jawlensky 1917 den Zyklus der "Mystischen Köpfe", es folgen die "Heilandsgesichter" und die "Abstrakten Köpfe". Als Siebzigjähriger, seit Jahren von schmerzhafter Arthritis gezeichnet, fährt er ab 1934 bis 1937 mit den "Meditationen" fort.
Dieser unverwechselbare Bildtypus gilt als Höhepunkt seines Œuvres, denn in diesen kleinformatigen und doch monumentalen Arbeiten erreicht die Abstraktion des anonymisierten Portraits ihre höchste Steigerung. Jeder Pinselstrich spricht in seiner Kraft und Farbigkeit für sich selbst.
Unsere im Dezember 1936 entstandene, mystische und mit meisterhaftem Gespür für Farbigkeit ausgearbeitete „Meditation“, zeigt das Gesicht in seiner extremen Vereinfachung, geschlechtslos nimmt es en face den gesamten Bildraum ein.

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Kategorie: Klassische Moderne

Willy Robert Huth, Leuchtturm hinter Häusern, 1973

Der überwiegende Teil des Œuvres von Huth entsteht auf der Nordseeinsel Amrum, wo er sich ab etwa 1950 mit seiner zweiten Frau Ruth in den Sommermonaten, zeitweise auch ganzjährig aufhält. Seit den 1920er Jahren ist er wie andere Expressionisten von der Ursprünglichkeit der Dörfer an der Nordseeküste fasziniert. Auf Amrum – die Insel war vom Krieg weitestgehend verschont geblieben – inspiriert ihn das einfache und naturverbundene Leben als anregender Kontrast gegenüber der Großstadt Berlin. Hier findet er die Ruhe und die Motive seiner Landschaftsbilder, die die Witterung, das Meer, die Weite oder auch die einzelnen Gebäude, Kutter oder den Leuchtturm in immer wieder neuen Variationen zeigen.

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Kategorie: Klassische Moderne

Franz Marc, Fabeltier, 1912

Unser Blatt ist ein besonders farbfrisches Exemlar der dritten Auflage und als solches vom Künstler eigenhändig abgezogen, koloriert und signiert. Das Exemplar erhält dadurch den Charakter eines Unikats.
Der in sechs harmonischen Farben durch Schablonen kolorierte Holzschnitt ist ursprünglich – wie auch die Drucke der handkolorierten Auflage – ausschließlich der 1912 erschienenen Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ (60 Exemplare) beigegeben.
Das "Fabeltier", als ein sinnbildliches, überzeitliches Motiv, vergegenwärtigt auf wunderbare Weise die Aufbruchsstimmung des Künstlers, seine neues Konzept der Komplementärfarben und die Abkehr von der naturalistischen Abbildung.

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Kategorie: Klassische Moderne

Ernst Ludwig Kirchner, Drei Bauern vor einem Holzhaus, um 1918

Während seiner Ausbildung zum Soldaten erleidet Kirchner im Jahr 1915 einen Zusammenbruch; nach Klinikaufenthalten in Königstein im Taunus und Kreuzlingen am Bodensee sucht er 1917 in Davos Heilung. Zuerst auf der Stafelalp, dann in einer kleinen Hofgruppe „In den Lärchen“, mietet er sich ein altes Walserhaus und genießt die Idylle und Erholung. So setzt Kirchner sein Werk fort und schafft auch eine Vielzahl von Arbeiten, die sich mit dem Leben der dortigen Bauern beschäftigt. Fasziniert von der ursprünglichen und bescheidenen Lebensart der Bauern wendet er sich von den Großstadtszenen ab und setzt sich nunmehr intensiv mit seiner neuen Umgebung auseinander.
Unsere Papierarbeit, die vermutlich auf der Stafelalp entsteht, beruht daher auf genauer Beobachtung. Kirchner zeigt uns die Bauern als Individuen bei ihrer Arbeit und vor allem in rhythmischer, aber konzentrierter Bewegung. Insgesamt verleiht Kirchner seinen drei Protagonisten durch die Fortführung der expressiven Malweise eine große Eindringlichkeit – jedoch hat sich der nervöse Strich beruhigt und die Farbakzente werden großflächiger.

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Kategorie: Klassische Moderne

Paul Klee, Zwei kleine Aquarelle, 1916

Um 1916 beginnt Paul Klee, ausgesuchte Papierarbeiten auf Karton aufzuziehen und mit der sogenannten Randleiste, einem waagerechten Strich unterhalb des Titels, zu versehen. Damit erst werden sie zu endgültigen, neuen Werken. In unserem Fall erhält das Resultat vom Künstler sogar die höchste Auszeichnung: „Sonderklasse“ – eigenhändig auf dem Trägerkarton mit „S Kl“ gekennzeichnet.
Das Werk „Zwei kleine Aquarelle“ ist eine herrlich dichte Arbeit, irritierend wie ein komplexes Puzzle, voller figürlicher Andeutungen, die sich aber kaum auflösen lassen. Es werden aber auch Assoziationen an eine Partitur wachgerufen, in der die Farben die Töne angeben, in der sich Motive durch Dynamik und Klangfarbe zu einem sinfonischen Ganzen verbinden. So beweist unser beeindruckendes Aquarell erneut, wie im kleinen Format große Werke von überzeitlicher Ausstrahlung entstehen können.

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Kategorie: Klassische Moderne

Alexej von Jawlensky, Großes Stilleben (Vase mit Rosenstrauß, Dunkelrote Blume), 1937

Der flirrenden Farbigkeit und eindringlichen Stimmung unseres Blumenstilleben kann man sich kaum entziehen: Die in allen Facetten von Blau und Grün changierenden Farben und ihre Gegenspieler, die hellen Akzente aus Dunkelrosa, Weiß und Violett, sowie der sichtbare pastose Pinselstrich bestimmen den einnehmenden Charakter des Gemäldes. Die Farbe und ihr Auftrag lassen das Bild geradezu „vibrieren“. Der aus einem reichen Farbenteppich gestaltete Fond und die Schlagschatten der Blüten rechts im Bild, durch schwarze Striche eindrucksvoll markiert, entbehren nicht einer gewissen Dramatik und bringen das Arrangement insgesamt zum Leuchten.
Nach der Beschäftigung mit den „Köpfen“ und während der „Meditationen“ entstehen deratige späte Blumenstilleben, mit denen Jawlensky sein Schaffen am Ende seines Lebens krönt – trotz oder gerade auch aufgrund seiner fortschreitenden Lähmung und der offiziellen Verfemung im Jahr 1937.

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Kategorie: Klassische Moderne

Franz Marc, Versöhnung, 1912

Inspiriert durch das Gedicht „Versöhnung“ von Else Lasker-Schüler entsteht 1911 Franz Marcs gleichnamiger Holzschnitt. Über ihren damaligen Ehemann Herwarth Walden übermittelt Marc der ihm persönlich bis dato unbekannten Schriftstellerin seine Illustration ihrer poetischen Worte. Im gleichen Jahr veröffentlicht Walden, Herausgeber von
„Der Sturm“, Marcs meisterliche Illustration ganzseitig als Titelblatt der Ausgabe und auf deren Rückseite Lasker-Schülers Gedicht. Die Veröffentlichung markiert den Beginn einer engen Freundschaft.
Marcs bildnerische, expressionistische Auseinandersetzung mit dem Liebesgedicht der jüdischen Lyrikerin zeigt eine zentrale weibliche, in sich gekehrte Figur, die sich unbekleidet mit vor dem Oberkörper verschränkten Armen zusammenkauert und zu beten scheint, während Strahlenbündel ihren Körper verlassen und einen Großteil der Bildfläche einnehmen. So wie Lasker-Schüler in ihrem Gedicht die Liebe als Gleichnis für die Versöhnung von Mensch und Ewigkeit sieht, vereint Marc die irdische Welt des unteren Bilddrittels mit der himmlischen des oberen. Die Lichtstrahlen des im Gedicht erwähnten Sterns dringen förmlich in die umliegenden Flächen ein, durchbrechen und verdrängen das satte, tiefe Schwarz des Himmels am oberen rechten Bildrand. Auffällig sind die verhüllte Gestalt im Rücken der Figur und das dunkle, flächige Ornament am linken oberen Bildrand – beide bleiben von den Strahlen unerreicht. Konkret erschließen läßt sich deren Bedeutung nicht. Aber sie geben der Illustration eine Ambivalenz, die der Natur des Menschen als empfindendes Wesen und dem Motiv der Versöhnung, als etwas Vermittelndes zwischen zwei Seiten, nur gerecht wird.

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Kategorie: Klassische Moderne

Hermann Max Pechstein, Russisches Ballett II, 1912

Pechstein ist selbst ein leidenschaftlicher Tänzer. Seit 1908 besucht er die unzähligen Tanzfeste und Vorführungen der boomenden Varietés und Tanzcafés in Berlin. So entsteht im Lauf der Jahre ein großartiges und umfassendes Spektrum an Tanzdarstellungen, das zuletzt 2019/2020 in der Ausstellung "Tanz! Max Pechstein: Bühne, Parkett, Manege" der Öffentlichkeit präsentiert wurde.
Unser exotisch anmutendes Aquarell ist nicht nur eine Vorstudie für eine Sequenz von sieben Radierungen mit gleichem Titel aus dem Jahr 1912, sondern legt auch einen spannenden Entstehungszusammenhang offen.
Die damals 1909-1929 durch Europa tourende, sensationelle avantgardistische Tanzkompanie Sergei Diaghilevs, die „Ballets Russes“, präsentieren in Berlin u.a. das Drama "Kleopatra“, deren Inszenierung Pechstein selbst beiwohnt. Auf diesem Ereignis basiert unser exotisches Motiv. Dafür greift Pechstein in seiner Komposition wohl auf die Bühnendarstellungen von Léon Bakst zurück. Dessen Entwurf für "Kleopatra" und entscheidende Details wie z.B. die Tempelarchitektur und die zwischen Säulen stehenden ägyptischen Götterplastiken greift Pechstein auf, und gibt sie in einer modernen Handschrift wieder.

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Kategorie: Klassische Moderne

Lyonel Feininger, Dorf Mellingen, 1918

Einer der seltenen Probedrucke vom zerstörten Holzstock, von dem auch keine publizierte Auflage erwähnt ist. Die einzigen zwei Prasse bekannten Probedrucke befinden sich im Fine Arts Museum Boston und in der Graphischen Sammlung der Klassik Stiftung Weimar.

Mit dem Fahrrad oder zu Fuß erkundet Lyonel Feininger während seiner Weimarer Schaffensperiode immer wieder die thüringischen Ortschaften im Umland. Mit dem Skizzenblock bewaffnet zeichnet er sog. „Natur-Notizen“ als Vorlage für spätere Bilder und Drucke.
Zu den vielen Dörfern, die er besucht, gehört auch Mellingen. Es ist ein stilles, malerisches Dorf, dessen einfache bäuerliche Architektur, eingebunden in über Jahrhunderte gewachsene dörfliche Strukturen, ihn faszinieren.
Mit Kohle skizziert er 1917 zum Beispiel die verwinkelten Gassen und Häuser (Mellingen VII, 1917, Kohle auf Papier). Diese Zeichnung scheint auch Vorlage unseres seltenen Holzschnitts von 1918 zu sein. Er entspricht im Wesentlichen ihrer Komposition, zeigt etwa die gleiche Ansicht und Häuserstruktur Mellingens mit schwarz hervorgehobenen Fenstern – eine Architektur, die Feininger typischerweise kubistisch zerlegt. Jedoch gibt ihm das so geschätzte Medium des Holzschnitts die Möglichkeit, das Gesehene nicht getreu des Naturvorbilds wiederzugeben, sondern auf das Elementarste, auf reine geometrische Formen und Linien, auf Schwarz-Weiß Gegensätze zu reduzieren. Hans Hess beschreibt die Herangehensweise Feiningers an solche Motive wie folgt: „[…] Bei Feininger erhält jede Fassung eine neue Wirklichkeit des Gebäudes, eine neue Erkenntnis des eigentlichen Wesens. Eine neue Form für Geist und Gesetz. Das Bild enthält neue Aspekte bisher ungesehener Realität, Formen werden für versteckte Relationen entdeckt […].“ (Hess, zitiert nach: WVZ der Gemälde, S. 59 f.)

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Kategorie: Klassische Moderne

Lyonel Feininger, Marine,1921

Einer von 125 signierten Exemplaren der von Fritz Voigt handgedruckten Auflage für die Veröffentlichung im Verlag der Dichtung "Die erste Mappe" (hrsg. von Wolf Przygode), Potsdam 1921.
Unser Blatt ist als Original-Graphik als No. 4 eines Portfolios von 5 Drucken unterschiedlicher Künstler in der Mappe enthalten.

Lyonel Feininger verbringt Zeit seines Lebens viele Wochen an der norddeutschen Ostseeküste, wo er zahlreiche Anregungen für seine Marinebilder findet. Unser Blatt konzentriert sich auf das Schauspiel von Segelschiffen im Hafenbecken, in Prismen und Kuben zerlegt und scheinbar in der Fläche aufgelöst. Die gegen-, mit-, und ineinander wirkenden Linien und prismatischen Felder entfalten ein dynamisches Kräftespiel, kontrastiert durch die stoisch ruhigen Formen der Quai-Mauern, die dem Wellengang trotzen. Im Holzschnitt findet Feininger die Möglichkeit, Beobachtungen der Natur auf das Elementarste, d.h. auf geometrische Formen und Schwarz-Weiß-Kontraste reduziert, wiederzugeben. Zudem legt er besonderen Wert auf das Papier – hier ein Japanpapier –, das die Farben hervorragend einsaugen und aufnehmen kann. So kommt ein insgesamt eindrucksvoller Kontrast aus tiefem satten Schwarz und den weißen Partien der insgesamt kubistisch-kristallinen Struktur zustande.

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Kategorie: Klassische Moderne

Lyonel Feininger, Benz 2, 1919

Unser Blatt entspricht bei Prasse dem zweiten, finalen Zustand und entstammt der von Feininger jeweils mit Bleistift signierten und betitelten Auflage von 80 Exemplaren. Die Auflage wurde von "Der Verbindung zur Förderung Deutscher Kunst" in Berlin 1931 publiziert.

Die Insel Usedom und die kleinen Dörfer wie Benz besucht Feininger als Künstler schon seit 1908. Seitdem erkundet er regelmäßig die Landschaften Vorpommerns. Benz und die St.Petri-Kirche muß ihn fasziniert haben, denn das Motiv verewigt er in sog. Natur-Notizen, Aquarellen, Zeichnungen, Gemälden und eben einem Holzschnitt im Jahr 1919.
Mit seinen Holzschnitten behauptet Feininger einen souveränen Platz in der Tradition des expressionistischen Holzschnitts der Avantgarde. Durch seine zweite Frau Julia Berg wird der 1919 an das Bauhaus in Weimar als Lehrer berufene Künstler mit diesem Medium vertraut und bekennt: „Mir machte diese Technik die größte Freude“.
"Benz, 2" ist ein fabelhaftes Resultat dieser Leidenschaft: Die Kirche, die Landschaft, Bäume und der Himmel sind auf das Elementarste, auf geometrische Formen und äußerst markante Schwarz-Weiß-Kontraste reduziert. Die Linien und Felder entfalten so ein besonders eindringliches, dynamisches Kräftespiel in einem verschachtelten Raumgefüge. Verstärkt wird diese Konzeption durch den Kontrast des kräftigen Drucks von tiefem, satten Schwarz und dem hellen Papier der unbedruckten Partien, die aber ihrerseits noch die Maserung des Holzes mitsprechen lassen. Insgesamt blicken wir auf ein prachtvolles Exemplar der außergewöhnlichen Druckgraphik Lyonel Feiningers.

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Kategorie: Klassische Moderne

Lyonel Feininger, Windmühle in Werder, 1918

Feininger besucht am 26. April 1912 mit seiner Frau das südöstlich von Berlin an der Havel gelegene Werder. Es mag sein, daß unser Holzschnitt auf diesem Erlebnis und einer Kohlezeichnung vom 6. Juni 1912 basiert.
Die im Druck dargestellte Windmühle, bekrönt von einem Wimpel, ragt ebenso wie in der Zeichnung monumental auf einer Anhöhe liegend hervor. Sie ist leicht rechts außerhalb der Mitte platziert, unterhalb befinden sich mehrere Häuser.
In unserem kontrastreichen Exemplar des Druckes zeigt sich einmal mehr die typische kubistische Zersplitterung der Flächen und die Simultanität mehrerer Perspektiven, die den klassischen Feininger-Holzschnitt ausmachen.
Die Windmühle ist seit der Kindheit des Künstlers ein immer wieder präsentes Thema und für ihn von besonderer sinnbildlicher Bedeutung. So tritt das Motiv in Feiningers Werk z.B. in einem Cartoon, einer Postkarte, einer Lithographie, Radierungen, Zeichnungen, Aquarellen und Gemälden in Erscheinung.

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Kategorie: Klassische Moderne

Herbert Böttger, Stilleben mit Karaffe, um 1935

Herbert Böttger, der 1919-25 bei Heinrich Nauen an der Kunstakademie in Düsseldorf studiert, ist stark beeinflußt von der Neuen Sachlichkeit und entwickelt als Mitglied der Rheinischen Sezession bald seinen eigenen Malstil, der sich durch Detailgenauigkeit und zurückgenommenes Kolorit auszeichnet.
In seinen Bildern dominiert die nüchterne Präsentation alltäglicher regloser Gegenstände. Unter Verzicht auf eine höhere Bedeutung taucht Böttger die realistisch und altmeisterlich gemalten Motive in eine kühle Feierlichkeit.
Während auf dem Tisch ein Saft oder eine trinkbare Flüssigkeit in einer Karaffe neben Walnüssen und Haselnüssen für Leben und Kraft stehen mögen, stehen im Kontrast dazu die drei verwelkten, an einem Strohband hängenden Blumen sowie ein Schlüssel womöglich für die Vergänglichkeit und den Zerfall.
Die Zusammenstellung verstärkt den surrealen Charakter dieses Gemäldes, das trotz seiner magischen und eindringlichen Wirkung auch einen Hauch von Melancholie versprüht.

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Kategorie: Klassische Moderne

Erich Heckel, Stehender weiblicher Akt, 1919

Siddi Heckel schreibt: 'Sehr geehrter Herr Dr. Reiß. Heute traf Ihre grosse Medikamenten-Sendung ein, für die Ihnen Erich Heckel, wie auch ich, herzlich dankt. Damit sind wir auf lange Zeit versorgt. Es geht ihm bei der jetzt – wie lange?! – günstigen Wetterlage deutlich besser. Das bestärkt sehr unsere Hoffnung auf das Frühjahr. Er sendet Ihnen seine Grüsse, denen ich meine anfüge. Mit guten Wünschen Siddi Heckel
P.S. Wir sind in einem ungewöhnlichen Interregnum: unser Hausarzt ist plötzlich gestorben – am 1. III., vielleicht erfahren wir morgen seinen Nachfolger.'

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Kategorie: Gegenwartskunst

Peter Dreher, Nachtglas #2563 (aus der Serie '"Tag um Tag guter Tag" I'), 2010

Seit 1972 unternahm der deutsche Maler Peter Dreher den Versuch, einen einzigen Gegenstand immer und immer wieder zu malen. Sein gewähltes Motiv ist ein leeres Glas, das er nach dem Leben malt, manchmal bei Tag und manchmal bei Nacht. Insgesamt entstanden so rund fünftausend Gemälde ein und desselben Glases, alle in Öl auf Leinwand im gleichen, kleinen Format von 20 x 25 cm aber alle leicht unterschiedlich, je nach Licht im Atelier und innerer Verfasstheit des Malers. So entstanden bis zu seinem Tod 2020 unter dem Titel „Tag um Tag ist guter Tag“ rund 5000 Variationen desselben Objektes, alle fortlaufend nummeriert. 
In ihrer konzeptionellen Strenge und der inhärenten Faszination für den Akt des Malens an sich hebt Peter Dreher die scheinbare Dualität von gegenständlich und abstrakt auf und zeigt an der Schnittstelle zwischen Einzelwerk und Serie deren charakteristische Merkmale auf, die sich mit Begriffen wie Nähe, Präsenz, Individualität und Erfahrung definieren lassen. Peter Dreher malt nicht das Glas, er malt seine Wahrnehmung, er bildet es nicht ab, sondern erfindet es jeden Tag neu und damit auch die Welt um es herum.

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Kategorie: Klassische Moderne

Lyonel Feininger, Four Figures, 1954

Lange sind in Lyonel Feiningers Spätwerk diese kleinen Zeichnungen unbekannt geblieben. Seine "Ghosties", "Spooks" oder "Männekins" wurden nicht ausgestellt, nicht verkauft, er hat sie ausschließlich verschenkt!
Mit wenigen, reduzierten Strichen und klaren Akzenten in Aquarell erschafft Feininger seine humorvollen Phantasiegestalten: reduzierte, geometrische Formen mit Gesichtern, die, aus einem Kreuz mit zwei Punkten bestehend, eine kindlich fröhliche Schlichtheit ausstrahlen. Sie spiegeln alle Facetten der Gesellschaft wider, die Feininger Zeit seines Lebens beobachtet hat. Die kleinen, liebevoll gezeichneten Figuren sind Ausdruck und Quintessenz der menschlichen Erfahrung des Künstlers - und bringen uns das innere Wesen dieses so vielseitigen Künstler besonders nahe.

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Über uns

Galerie-Information

Mit der Spezialisierung auf Papierarbeiten des deutschen Expressionismus und der Klassischen Moderne gehört Thole Rotermund Kunsthandel auf diesem Gebiet zu den führenden Ansprechpartnern für Sammler im gesamten europäischen Raum.

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