Peer Kriesel
Das zentrale Medium im Schaffen von Peer Kriesel ist die Zeichnung. Er beschäftigt sich allerdings auch mit Skulpturen und Objekten. Eine der Werkgruppen umfasst Zeichnungen/Übermalungen auf historischen Papieren, wie Land- und Seekarten sowie Postkarten, die in der Vergangenheit bestimmte Funktionen und zum Teil einen hohen Wert für die Nutzer hatten. Es geht dabei auch um die Veränderung in der Wertschätzung und in der Bewertung von bedruckten Papieren als Kommunikations- und Informationsmedien. Während Seekarten bis ins 19. und 20. Jh. hinein ausgesprochen wichtig und wertvoll waren und sehr hilfreiche Informationsquellen darstellten, haben sie im Zeitalter von GPS und Internet ihre Funktion und damit Wertschätzung weitestgehend verloren. Sie haben lediglich noch einen graphischen Wert. Durch die Übermalungen gibt Kriesel ihnen ein neues Leben und einen neuen Wert in einem anderen Kontext. Kriesel lässt sich für seine Zeichnungen von den Strukturen, Markierungen, Daten und Farben der historischen Bildträger inspirieren und bevölkert sie mit einem unergründlichen Universum aus Fratzen, Fabelwesen und Figuren, die mit feinstem Strich gezeichnet werden.
Sein gesamtes Werk ist stark geprägt vom Zeitalter der Digitalisierung. Es geht um Werte, die Beschleunigung der Kommunikation, die Veränderung der Wahrnehmung und den inflationären Konsum von Kunst und Medien. Sinnbildlich befassen sich die Werke der Kartenübermalungen mit der Orientierung in einem Zeitalter des Überflusses an Daten, Einflüssen, Eindrücken und Botschaften, die unstrukturiert heutzutage so nicht mehr zu erfassen und einzuordnen sind.
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