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Gegenwartskunst
Manu Camille (1995 geboren im Allgäu, lebt in Heidelberg) hatte Mitte Dezember bereits einen großen Auftritt in der Halle 4 der Karlsruher Messe, nämlich als umjubelter Hauptdarsteller auf der Bühne von Deutschlands größter Weihnachts-Charity-Show "Weihnachten neu erleben" vor 75.000 ZuschauerInnen in neun Aufführungen, mit Live-Band, 400-köpfigem Chor und Orchester. Wer ihn live bei der Vermittlung der eigentlichen Bedeutung Weihnachtens erlebt hat, wird sich kaum wundern, dass der christliche Glaube auch einen wichtigen Einfluss auf ihn als Bildenden Künstler hat. So dienen als Ausgangspunkt seiner expressiven, buntfarbigen Gemälde oft Passagen aus der Bibel – neben Ausstellungsbesuchen, Filmen und Büchern.
Manu Camille sucht nach dem Urmenschlichen, nach der Essenz des Menschen. Indem er beispielsweise Cowboys als Zigaretten rauchende Dandys in rosa Pullovern und als faul auf ihren Stühlen herumwippende Zeitgenossen zeigt, hinterfragt er Vorstellungen des vermeintlich Männlichen und Geschlechter-Klischees. Pop-Art, Street-Credibility und eine positive Message waren selten so beeindruckend vereint.
Joséphine Sagna (1989 geboren in Stuttgart, in Ulm aufgewachsen, inzwischen in Südfrankreich lebend) ist die Tochter einer Siebenbürger Sächsin und eines aus dem Senegal stammenden Vaters. In ihren Gemälden thematisiert sie expressiv und farbenfroh ihre Erfahrungen und Emotionen als schwarze Frau in einer überwiegend weißen Gesellschaft. Im Fokus ihrer Werke: der weibliche Körper. Statt konkrete Personen zu portraitieren, fängt Sagna eine von Diversität geprägte Kraft und Energie ein: Sich inszenierende schwarze Frauen stellen sich selbstsicher westlichen Schönheitsidealen entgegen. Der Blick der BesucherInnen in die selbstbewussten Augen ihrer Protogonistinnen verändert und erweitert Perspektiven.
Mit der vierten Präsentation von Sagnas Gemälden als "One Artist Show´" setzt "Schacher" ein deutliches Anti-Rassismus-Zeichen in leider immer noch von Klischees, Vorurteilten, Populismus und Rechtsruck beherrschten Zeiten.
Juliane Hundertmark (1971 in Mainz geboren, lebt in Berlin) ist mit regelmäßigen Ausstellungen in New York, Los Angeles, London, Amsterdam, Brüssel und Barcelona die international umtriebigste Künstlerin im aktuellen "Schacher"-Programm. In ihren Arbeiten verbindet sie klassische Malerei mit einer einfallsreichen Collage-Technik zu einer individuellen, surrealen, gleichermaßen irritierenden, wie faszinierenden Bildsprache. Ihre zumeist in spießigen Umräumen platzierten grotesken Comicfigur-Tier-Mensch-Mischwesen sehen so aus, als hätte George Grosz gemeinsam mit Janosch Bilder gemalt.
Wir sehen auf die Bilderbühne geschupste Freaks und Außenseiter, die mit einer (t)rotzigen Punk-Attitüde und viel schwarzem Humor zum Kampf gegen Rituale aufrufen. Oft erinnern die Szenen an Theaterbühnen, die an unsere Fantasie appellieren und uns auffordern, die dargestellte Gruppendynamik weiter zu denken.
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03.01.2026
Wer kann, der kann: Die Galerie "Schacher" verdreifacht die Größe ihres Messe-Auftritts
2011