Eri Hahn
Biografie
Erika (Eri) Hahn wurde 1940 in Bad Kreuznach geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie an der schleswig-holsteinischen Küste, wo die Nachkriegsjahre von Mangel, Erfindungsgeist und der Kunst des Bewahrens geprägt waren. Inmitten der Trümmer des Zweiten Weltkrieges begann ihre Leidenschaft für das Sammeln – zunächst von Munitionshülsen, Muscheln und angeschwemmtem Holz, später von Gegenständen, die vom Gebrauch und vom Leben gezeichnet waren. Nach dem Abitur zog es Eri Hahn zunächst nicht an die Kunstakademie, sondern ins Berufsleben – über die
Lufthansa gelangte sie in die USA. Dort entdeckte sie ihre Faszination für Auktionshallen, in denen vergessene Koffer versteigert wurden. Diese Schatzsuche nach verborgenen Geschichten wurde zu einer prägenden Erfahrung. In den 1970er Jahren, während sie in Hanau und Frankfurt lebte, entwickelten sich die Flohmärkte Europas zu ihrem bevorzugten Terrain. Hier fand sie jene Dinge, die andere achtlos zurückließen – Träger von Geschichte, Material gewordene Erinnerung.
Seit Anfang der 1980er Jahre ist Eri Hahn als freischaffende Künstlerin tätig. Nach textilen Arbeiten, die sie in den 1980er Jahren in der Galerie Helga Malten (Dortmund) zeigte, wandte sie sich Anfang der 1990er Jahre der Skulptur zu – inspiriert von einer Reise nach China. Heute lebt und arbeitet sie in Hanau.
Ausstellungsliste (Auswahl)
1983 – Galerie Helga Malten, Dortmund
1984 – Triennale Frankfurt, Museum für Angewandte Kunst (MAK)
1985 – 4. Biennale der deutschen Tapisserie, Hamburg / Museum für Kunst und Gewerbe
1986–1988 – GEDOK Köln
1988 – Kunstverein Lüneburg e.V., Zeitgenössische Textilkunst
1991 – Galerie Helga Malten, Dortmund
Seit 2020 vertreten durch die ARP Galerie, Hanau
2020 – LebensWerke, Soloausstellung, ARP Galerie, Hanau
2022 – 10inOne, Gruppenausstellung, ARP Galerie, Hanau
2023 – A Handful of Dust, Gruppenausstellung, ARP Galerie, Hanau
2023 – Art After Fair, Gruppenausstellung, Main Art, Aschaffenburg
2024 – Discovery Art Fair – Skulpturenplatz, Frankfurt
2024 – ARP Galerie, Nordstraße 8, 63450 Hanau
Ihre Werke befinden sich in privaten Sammlungen in Deutschland, Frankreich und den USA.
Zum Gesamtwerk
Eri Hahns Werk ist eine Hommage an die Poesie der Dinge. Seit über fünf Jahrzehnten verwandelt sie Fundstücke – Stoffe, Holz, Metall, Papier, Devotionalien – in Kunstwerke von großer Sensibilität und stiller Intensität. Das Alte, Verlorene, Beschädigte erhält unter ihren Händen eine neue Bedeutung.
Ihre Skulpturen sind vielschichtige Assemblagen aus objets trouvés, die sie zu figuralen und symbolischen Gebilden fügt. Die Materialien – zerschlissen, verrostet, verblasst – erzählen von Gebrauch, Zeit und Transformation. Indem Eri Hahn sie neu ordnet, verleiht sie ihnen Würde und Schönheit.
In ihrer Werkstatt entstehen aus Fragmenten poetische Wesen, deren Erscheinung zwischen Erinnerung und Neuerfindung oszilliert. Viele ihrer Arbeiten wirken wie stille Erzählungen: Figuren, die an mythologische Gestalten, Pilger oder Krieger erinnern, tragen auf ihren „Körpern“ Spuren vergangener Leben – Stoffe mit Brokatverzierungen, getrocknete Pflanzen, vergilbte Buchseiten, Metallteile. In ihnen verschmelzen Religion, Geschichte und Alltäglichkeit zu einer feinen, fast meditativen Ästhetik. Wie in ihren frühen Tapisserien der 1980er Jahre bleibt auch in den Skulpturen der erzählerische Moment zentral. Eri Hahn arbeitet ohne Skizzen, ohne Plan. Das Material selbst gibt die Richtung vor – ein Prozess des intuitiven Suchens, in dem sich Sinn und Form gegenseitig hervorbringen. „Ich lasse mich vom Material führen“, sagt sie. „Es zeigt mir, was es werden will.“
Künstlerisches Selbstverständnis
Eri Hahn versteht ihr Schaffen als einen Akt des Bewahrens und der Verwandlung. Ihr Blick richtet sich auf das Übersehene, Beschädigte, Vergessene – auf die Dinge, die andere nicht mehr sehen wollen. Sie sammelt sie, nicht aus Nostalgie, sondern aus Respekt vor ihrer Geschichte. „In meiner Werkstatt lagern Schätze“, sagt sie. „Dinge, die ich aufgesammelt habe auf Flohmärkten, auf Straßen, an Plätzen – und die mich in ihrer Verletztheit, in ihrer vielleicht nur für mich erkennbaren Schönheit berühren.“ Aus dieser Haltung entsteht eine Kunst, die nicht laut auftritt, sondern still berührt. Ihre Objekte sind Ausdruck einer tiefen, unaufgeregten Humanität. Sie erzählen von Zeit, Vergänglichkeit und Wiederkehr – und von der magischen Schönheit, die in allem liegt, was einmal berührt wurde. Zentrale Themen: Erinnerung – Transformation – Materialpoesie – Spiritualität – Vergänglichkeit.
Technik: Assemblagen und Skulpturen aus gefundenen Materialien (Holz, Stoff, Metall, Papier, organische Objekte)
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