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Eine Veranstaltung der

Galerie Bengelsträter

Hermannstraße 23, 40233 Düsseldorf
Deutschland
Telefon +49 211 64155070, +49(0171 2340409
Fax +49 2371 14742
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Standort

  •   Halle 1 / H1/B32

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Jutta Bengelsträter-Ewest

Hermannstr. 23
40233 Düsseldorf

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01712340409

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Werner Ewest

Telefon
01722532436

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Unsere Künstler

Künstlerdetails

Kategorie: re:discover

Horst Becking

Horst Becking

Galerie Bengelsträter, Düsseldorf   H1/B32

Horst Becking *1937

Der Künstler erwarb seine künstlerische Grundausbildung an den Fachhochschulen für Grafik und Design in Dortmund und Wuppertal. Anschließend studierte er in den 70er Jahren an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, zuerst in der Klasse von Joseph Beuys, später bei Rupprecht Geiger, dessen Meisterschüler er wurde.

Geprägt durch eine Jugend im Nachkriegsdeutschland spürte er eine starke Verbundenheit mit dem Jazz, das zeigte sich durch die ersten Ausstellungen im Jazz Club Hagen.  Zusammen mit Gleichgesinnten wurde der Club zur Kreativschmiede und zum Fluchtpunkt vor der spießig-konservativen Gesellschaft. Es folgt eine Mitgliedschaft im Westdeutschen Künstlerbund, der mit seinen Ausstellungen überregional von Bedeutung war. Neben der Malerei entdeckte Horst Becking die Radierung und die Übermalung alter Papiere. In unzähligen Buchantiquariaten entdeckte er alte Handschriften, deren weiches, vergilbtes Papier als Grundlage seiner Malerei dienten. Aus der Liebe zu Büchern entstand das erste Künstlerbuch „Briefe“ nach Texten von Franz Kafka.  Bis heute bilden Bücher und Mappenwerke nach literarischen Vorlagen einen Schwerpunkt seiner Arbeit.

Studienreisen und Arbeitsaufenthalte unter anderem in Belgien, Frankreich, USA und Kanada  sind für seine künstlerische Arbeit unverzichtbar. Erlebtes wird in Gouachen, Ölbilder, Künstlerbüchern und Mappenwerke verarbeitet. Die Reisen inspirierten zur Malerei auf großen Formaten, dabei entdeckte er immer wieder neue Malgründe, die ihn durch ihre Gebrauchsspuren besonders inspirierten. In Venedig fand er Reste eine Marktplane (Baschè) im Müll und verarbeitete diese fortan als Malgrund. Durch seine unzähligen Mittelmeer Reisen ist er der Farbe Blau völlig verfallen. Das Blau mit seiner Schönheit und Tiefe ist aus seiner Arbeit nicht wegzudenken.

Sein Schaffen zeichnet sich durch eine experimentelle Herangehensweise an Farbe und Form aus, wobei er oft großformatige Leinwände verwendet. Beckings Werke reflektieren eine tiefe Auseinandersetzung mit der Natur und der menschlichen Wahrnehmung. Sein Stil wird oft als Kombination von informeller Malerei und lyrischer Abstraktion beschrieben, wobei der Einsatz von Farbe und Textur im Vordergrund steht. Seine Werke regen uns Betrachter zu einer intensiven Auseinandersetzung mit Farbe und ihrer emotionalen Wirkung an.

„Sind es abstrakte Bilder, in denen Figürliches als Erinnerungsreste an Berge, Wege, Bäume, mal mehr, mal weniger deutlich, auftauchen? Die Flüchtigkeit des Augenblicks des Sich-Erinnerns scheint in ihnen festgehalten, geronnen im Moment des Zeichens und Malens, und der Duktus dieser Bilder entspricht so der Flüssigkeit und der Ungenauigkeit einer verwehenden Erinnerung. Die gestisch gezeichnete Kontur eines Berges und die Linien und Farben einer Landschaft werden zu Zeichen, Chiffren, Symbolen und Metaphern, stimulieren Assoziationen, deuten Wiedererkennbares an, um sich aber ebenso schnell wieder aufzulösen und zu verflüchtigen. Es sind offene Bilder, die unsere Fantasie auf die Reise schicken.“ (Dr. Siegfried Gnichwitz)

 

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Kategorie: one:artist show

Heehyun Jeong

Heehyun Jeong
Statement
Dämmerung: Die Realität eines der letzten lebendigen Höhlenmaler
1.
Ich bin Mitte der 80er-Jahre in Seongnam geboren (damals eine relativ neue Vorstadt von Seoul), als Einzelkind junger Eltern, die für ihr Kind möglichst alles bereitstellen wollten. Ich war empfindlich in meiner Wahrnehmung und hatte ein gutes Gedächtnis, vor allem für visuelle Informationen. Diese Tendenz wurde später durch meine Umgebung weitergefördert, aber das allein hatte damals noch nicht viel Bedeutung – bis ich anfing zu malen und zu zeichnen.
2.
Ich male und zeichne, seit ich drei bin. Am Anfang war die Farbe, dann die Linie und die Form, Material und Bewegung; Bewegung verbunden mit Vorstellung, Haptik, Dichte, Temperatur, Luft ... Magie. Dann ein Bild und das nächste Bild. Meine Bilder waren mir
Begeisterung, Spielfreunde, Mittel zur Anerkennung, ein Ort zur Flucht, Hüter meiner Existenz, emotionale Mülleimer, Lehrer, ein brutaler Spiegel, der Zugang zur Welt, ein Produkt für meine Selbstständigkeit, ein schweigender Psychotherapeut ... Das alles waren und sind sie für mich. Ein Maler malt, das fand ich gut.
3.
Nach zehn Jahren Berufserfahrung als Kunstmaler/Selbstständiger: Die Welt nervte mich mit Bürokratie, ständigen Reisen, vielen Menschen, einer sich ständig ändernder Meinungen, unterschiedlichem Klima, Erwartungen, Geschwindigkeit, zu viel Information, zu vielen Bildern, zu viel Gerede, zu vielen Fragen ohne Antworten. Und das alles führte mich zu Machtlosigkeit, Hass und Zweifeln (ein übersensibilisiertes, verwöhntes Einzelkind, das zudem schnell überfordert ist.). Trotzdem habe ich mich weitergetrieben, machtlos, bis mein Kopf irgendwann aufgegeben hat, meine Haare festzuhalten (eine selbstverständliche Schlussfolgerung für ein Leistungstier). Ich dachte mir: Es reicht.
4.
Als ich mich von den Reisen mit meiner vielfältigen Selbstständigkeit weinend ins Atelier zurückgezogen hatte, standen dort Leinwände – teils aus lagertechnischen Gründen unterbrochene Arbeiten, teils Versuche. Es waren Bruchstücke aus verschiedenen Zeiten. Ich war wackelig, so wie die Bilder wackelten. Nach ein paar Wochen blanker Zeit habe ich wieder angefangen zu malen.
5.
Ich wollte eine Dämmerungslandschaft sehen. Eine Dämmerung, die vielleicht der erste Höhlenmaler aus seiner Höhle gesehen hatte; die
vielleicht ein sibirischer Schamane bei der Sternenschau gesehen hatte; die vielleicht ein Bauer auf dem Arbeitsweg gesehen hatte; die vielleicht der gute Caspar und Claude aus ihrer Werkstatt gesehen hatten; die vielleicht ein Kind irgendwann mit seinem Vater gesehen hatte – und die vielleicht dieses Kind in dem Moment gesehen hatte, als es die warme Asche des väterlichen Leibes unter einem Baum verstreute – und die vielleicht eine koreanische Malerin, die gerade älter als ihr Vater geworden ist, in der Feierabend-S-Bahn in Berlin gesehen hatte.
6.
„Dämmerung ist ein lustiges deutsches Wort, dessen Bedeutung ich eher auf Deutsch als in meiner Muttersprache kennengelernt habe. Es beschreibt für mich einen Moment des Wechsels: den Übergang vom Licht zur Dunkelheit oder andersherum. In welche Richtung
es geht, lässt das Wort offen (das ist ein bisschen gemein, das gefällt dir).
7.
Ich habe getan, was ein Maler tut: (Du trägst Farbe auf eine Oberfläche auf. Du beobachtest deine Handlung und deren Ergebnis. Halte Abstand, triff die Entscheidung für die nächste Handlung. Das wiederholst du, bis du das Bild freilassen kannst. Wenn du genug Gutes für das Bild tust, wird das Bild allein stehen und dir zeigen, was Sache ist. Und das ist etwas, woran du glauben kannst. Du kannst eigentlich nicht vom Hass leben, sondern nur von der Liebe, da dieses Handwerk, das du gerne tust, nur aus Liebe möglich ist. Ein komisches Handwerk, das Magie schafft, viele sinnliche Assoziationen hervorruft – mit deiner trainierten Pinselführung, dem Verständnis und Vertrauen in das Material und deine Handlung. Du findest Lösungen für deine vergänglichen Taten. Wenn du jedes Mal etwas Gutes tust – mit dem guten Druck, der guten Farbmenge, der guten Geschwindigkeit, dem guten Ton und der guten Dichte, das alles in einer guten Bewegung am guten Ort auf der Leinwand – wenn du das alles tust, wird ein gutes Bild gemalt.)
8.
Ich habe einen Drang nach Harmonie. Ich muss eine Harmonie zwischen den vielen Bruchstücken finden, die bei mir ankommen. In letzter Zeit habe ich hauptsächlich dafür gemalt. Ich habe mir eine Malweise gewünscht, bei der jede einzelne Handlung dem gesamten Bild guttut, obwohl sie alle eigen und einmalig sind. Ich wollte weich und langsam sein, als Reaktion auf meine aktuelle Realität. Ich wollte nicht gegen die Bruchstücke kämpfen, nicht gegen meine Vergangenheit und den Kontext. Ich wollte sie verstehen und ihnen die passende Handlung geben, damit die Bruchstücke sich im Ganzen selbstverständlich positionieren können. Ich habe versucht, eine Harmonie zu finden. Maler malen. Das gefällt mir.
- Januar 2026
Heehyun Jeong

Vita
*1984 in Seongnam, Südkorea
Ausbildung
2003-2007 Studium der Freien Kunst, Bachelor of Fine Arts in Painting, Seoul National University, Seoul(KOR)
2010-2013 Studium der Freien Kunst bei Olav Christopher Jenssen, Diplom für Freie Kunst HBK Braunschweig, Braunschweig
2013-2015 Meisterschülerin bei Olav Christopher Jenssen, HBK Braunschweig, Braunschweig
Gruppenausstellung
2011: 8. Niedersächsischen Grafiktriennale, Schloss Bevern, Holzminden; 2. Internationales Künstler-Symposium, Stadtmuseum Villa Böhm, Neustadt an der Weinstraße; Zucker Hoch Zwei, Galerie Herzblut, Braunschweig
2012: Tombolo, Palais für aktuelle Kunst, Glückstadt; Präsentation der Jahresgaben 2012, Verein für Original-Radierung, München; The Mystery Of Intersecting Paths, Galería de la ENPEG La Esmeralda, Mexiko-City(MEX)
2013: Re-Produktion, Herzog Anton Urlich-Museum, Braunschweig
2014: Zeichnen mit Papier, Kunstverein Villa Wessel, Iserlohn; If you believe that print is dead you are dead, Verein für Original- Radierung, München; Meisterschüler 2014, Hannover Rück SE, Hannover
2015: Bricologie, Villa Arson, Nizza(FR); Weiterreichung, Kunstverein Neukölln, Berlin
2016: Thema und Variationen, Verein für Original-Radierung, München; Nominierte Ausstellung für Märkisches Stipendium, Städtische Galerie Iserlohn, Iserlohn
2017: Aleph, Kunstverein Neukölln, Berlin; Revisited, Hallenbad - Kultur am Schachtweg, Wolfsburg; Krake, Künstlerhaus Dortmund, Dortmund
2018: Migrating Birds, Kintai Arts, Kintai(LTU); Ombré, Antje & Alex, Berlin; Trogloxen, Luisa Catucci Gallery, Berlin
2019: Weitere Weiterreichung, Kunstquartier Bethanien, Berlin
2020: It can be difficult to thread cotton through a needle, Künstlerhaus Bielefeld, Bielefeld
2021: Kreisläufe, Verein Berliner Künstler, Berlin; Einen Samstag mit dem Blumen Hans, Studio Visit Tour, Hannover und Berlin; Druckfrisch, Verein für Original-Radierung, München
2022; Druckkunst im Dialog, Verein Berliner Künstler, Berlin.; 12 Monate 12 Originale, artroom christoph damm, Berlin; Blind Vision, Treptower Ateliers e.V, Berlin.
2023: ARTICA IN RESIDENCE AT QSPA, QSPA Bispevika, Oslo(NOR); Das Unikat im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit,
Kunstverein Neukölln, Berlin; ReVisited 2023, Hannover Rück, Stockholm(SE); Pflanzenblindheit, Stockwerk, Weimar; 12 Monate - 12 Originale, Kunstquartier Bethanien, Berlin.; jung&divers, Verein für Original-Radierung, München.
2024: geMALT!, Galleri Susanne Ottesen, Kopenhagen(DNK); Zirkular, Kulturmühle Perwenitz e.V., Schönwalde-Glien.
Einzelausstellung
2013: ESPE, Hallenbad - Kultur am Schachtweg, Wolfsburg
2017: Hedone, Kunstverein Villa Wessel, Iserlohn; Ganesha, Städtische Galerie, Lüdenscheid
2021: Bulletin, Galerie Bengelsträter, Düsseldorf
2023: Phoibe, Galerie Bengelsträter, Düsseldorf
Auszeichnung
2013: DAAD-Preis für hervorragende Leistungen ausländischer Studierender, Deutscher Akademischer Austauschdienst
2014: Katalogstipendium, Hannover Rück SE
2017: Märkisches Stipendium für bildende Kunst, Märkische Kulturkonferenz e. V.
2018
Künstlerresidenz, Kintai Arts(LTU)
2022
Künstlerresidenz, Artica Svalbard(NOR)
Vertreten in öffentlichen Sammlung
Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig
Hannover Rück Stiftung, Hannover
Artica Svalbard Collection(in Kooperation mit der
Queen Sonja Art Foundation), Longyearbyen(NOR)
Kunstsammlung NRW, Düsseldorf

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Kategorie: Gegenwartskunst

Silke Leverkühne

1953 in Rendsburg geboren, studierte Silke Leverkühne von 1971 bis 1975 Malerei bei Norbert Kricke und André Thomkins an der Kunstakademie Düsseldorf und schloss 1978 das Studium als Meisterschülerin bei Alfonso Hüppi ab. Von 1975 bis 1976 studierte sie Malerei an der Accademia di Belle Arti in Florenz.

Als Gastprofessorin für Freie Kunst war sie von 1993 bis 1995 an der Gesamthochschule Kassel und 1999 ebenfalls als Gastprofessorin an der Internationalen Sommerakademie für Kunst und Gestaltung Pentiment-HAW Hamburg. Von 1999 bis 2002 hatte sie einen Lehrauftrag für Malerei an der Universität GH Essen inne. Im Anschluss übernahm Leverkühne von 2002 bis 2003 eine Vertretungsprofessur der Basisklasse Barbara Hammann an der Kunsthochschule Kassel. Seit 2004 ist sie Professorin für künstlerische Praxis mit Schwerpunkt Malerei am Institut für Kunst und Kunsttheorie an der Humanwissenschftlichen Fakultät der Universität zu Köln.

Die Künstlerin wurde durch zahlreiche Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland bekannt. Ihre Werke sind in vielen öffentlichen Sammlungen vertreten.

Silke Leverkühne ist Mitglied im Deutschen Künstlerbund, Mitglied des Vorstandes im Internationalen Künstlergremium (IKG) und Mitglied im Beirat für das Archiv für Künstlernachlässe, Stiftung Kunstfonds.

Silke Leverkühne erkundet in ihrer Malerei frei und neu das vertrackte Verhältnis zwischen Natur und Kunst, zwischen Mimesis und Schöpfung. In ihrer bewegten und beweglichen Malerei erspielt sich ein Ereignis der Wahrnehmung, das – immer wieder neu – als Ähnlichkeit im Unähnlichen eintritt, das „des eignen Bildens Kraft“ zu sichtbaren Formen manifestiert. Im Sichtbaren zeigen sich intensive Differenzen, die Spannungen, Turbulenzen, Schwingungen in Material und Farbe übersetzen. Farbe und Form gehen dabei unauflöslich ineinander über, entgrenzen einander. Und in diesem unauflösbaren Wechselverhältnis wird dann Baudelaires Vorstellung von Farbe als einem „Universum aus gegenseitiger Spiegelung und Durchdringung, in dem nichts isoliert oder unberührt bleibt“ noch einmal und ganz neu ins Werk gesetzt: „Die Farben senden einander Reflexe zu, und indem sie ihr Aussehen durch eine Lasur transparenter und entlehnter Eigenschaften verändern, vervielfältigen sie ihre melodiösen Verbindungen ins Unendliche und erleichtern sie.“ Aus Farb- und Formelementen, aus ihrer Strukturierung, Rhythmisierung und aus dem was zwischen den Elementen und um sie herum geschieht, baut sich der Bildort auf. Aus Nachbarschaften, Berührungen, Überschneidungen entsteht dann ein gestalteter Raum, in dem Sinn/Inhalt erst zum Vorschein kommt. Bildklang, Schatten, Schattierungen: Ein Bildgeschehen, ein vielstimmiges und zugleich stimmiges Ineinander von Formen, die der Blick aufnimmt, hinein geleitet in Balanceakte des Sehens, die Thema und Ergebnis des malerischen Werks Silke Leverkühne sind.

Silke Leverkühnes flirrende Malerei setzt wie im Paradox Flüchtigkeit, Entstehung und Auflösung in Szene. Diese Bilder zeigen eben auch den Übergang, das ‚Übergängliche‘, das auch Gefühle, Atmosphären prägt. Und in jedem Bild werden wir auch hier mit einer mysteriösen Instabilität, mit der Auflösung von Eindeutigkeiten konfrontiert. In der nie zu Ende kommenden Betrachtung der Malerei, im Ineinander von oben und unten, von Licht und Schatten, in Spiegelungen und Brechungen erfahren wir auch, dass der Blick nichts fixieren kann, dass er sich dem Tohuwabohu der Wirklichkeit überlassen muss, die sich in ihrer Vielfältigkeit, in ihrer Disparität weder zähmen noch zu einsinniger Ordnung bändigen lässt.

Silke Leverkühnes Bilder und Bilderserien sind da wie Momente eines unaufhörlichen Wandlungsprozesses. Das dunkle Moor, die lichten Fenster: Bilder wie Fenster ermöglichen Blicke auf etwas anderes als sich selbst, Spiegelungen werfen den Blick zurück.

~D. Bauerle-Willert

Die Künstlerin lebt und arbeitet in Düsseldorf.
 
 
 
 
 

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Kategorie: Gegenwartskunst

Anna Lena Straube

Invisible Stills

Der Titel der auf der Messe ausgestellten Serie verweist auf das Wesen des Standbildes, auf den eingefrorenen Moment einer fließenden Abfolge. Auf den Bildern der „Invisible Stills“ gibt es dagegen keine Abfolge, es ist der eingefrorene innere Zustand, die Leere der Möglichkeiten, das Dazwischen sein, zwischen Sein und Nicht-Sein. (AL Straube)

Anna Lena Straube, 1978 in Bremen geboren,  studierte Anna Lena Straube von 1998 bis 1999 das Studium der Soziologie, Philosophie und Pädagogik (MA.) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Von 1999 bis 2004 studierte sie Freie Kunst an der Muthesius Kunsthochschule Kiel bei Professorin Elisabeth Wagner und Professor Peter Nagel. Danach (2004-2005) folgte ein Aufbaustudium Kunsttherapie an der HfBK Dresden bei Professorin Doris Tietze, Praktika in psychosomatischen Kliniken Bad Bramstedt und Arnsdorf.
Seit 2012 ist sie Dozentin an der Fachhochschule Potsdam für Erziehungswissenschaften für die Forscherwelt Blossin, Einrichtung eines Malortes nach Arno Stern, sowie für Erwachsenenbildung mit dem Schwerpunkt „sustained shared thinking“.

Die malerische Erforschung von Weiblichkeit bestimmt das künstlerische Oeuvre von Anna Lena Straube. Traditionell waren es männliche Künstler, die ein weibliches Ideal erschufen. Anna Lena Straube kreiert ihr weibliches Ideal auf eine Weise, die die Betrachter in die Innenwelten der Figuren hineinführt. Die Künstlerin erzeugt Werkzyklen, die einem malerischen Reigen gleichen. Farbigkeit, Inhalt sowie malerische Bildsprache werden mit jedem weiteren Reigen auf ein Neues erschaffen. „Thinking about Eve“ untersucht die christlich-patriarchale Erfindung der Frau als Eva-Figur. Der Schuldkomplex Evas zwingt die Frau in die Unterwerfung und ermächtigt den Mann über sie und die Welt zu herrschen. Frauen werden stimmlose Randgruppe, verschwinden im Hintergrund, oder dürfen das, was der Mann erlaubt. Ältere Mythen-Frauen wie Lilith, wild und unbezähmbar, die geflügelt zwischen Ober- und Unterwelt hin und her wechseln kann, wurden der Erzählung der Bibel entzogen, verunglimpft und beschimpft. Der vollständige Wechsel zu einer patriarchalisch organisierten Weltgemeinschaft wurde mit der Heiligen Schrift des Christentums besiegelt und löst sich erst in den letzten hundert Jahren langsam wieder auf. Wie viel „Eva“ steckt in dir, befragt die Malerin jede ihrer Frauenfiguren, wie viel von dir ist geprägt durch ihr Stigma, und wo zeigt sich unzerstörbare, zeitlose, weibliche Komplexität?

Die historischen Fotovorlagen oder Film-Stills, die Anna Lena Straube verwendet, z. B. aus „Orphée“ von Jean Cocteau, oder Aufnahmen, die die Schriftstellerin Sylvia Plath zeigen, werden als Malerei des „Hier und Jetzt“ neu erzählt. Stilistisch bewegen sich die Gemälde zwischen Realismus und Poesie, zwischen zarten Farblasuren und unzähligen, das Motiv überziehenden Farbtropfen. Im Kontrast dazu erscheinen klare, weiße Formen, die metaphysisches Licht suggerieren.

Anna Lena Straube lebt und arbeitet in Berlin.
 
 
 
 
 

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Kategorie: Gegenwartskunst

Florian Fausch

Florian Fausch, 1981 in Zürich geboren.
1999-2000 Schule für Gestaltung Zürich
2001-2008 Kunstakademie Düsseldorf, Meisterschüler von Prof. Siegfried Anzinger

Zweifellos sind Florian Fausch’s Bilder utopische Architekturlandschaften, deren Regeln nach eigenen Gesetzmäßigkeiten funktionieren; es sind Orte und Nicht-Orte zugleich, die um den Begriff des Bildes kreisen. Vertraut und doch so fremd laden sie dazu ein, sich offenen Auges im Bildraum zu verlieren. In den menschenleeren, rätselhaften Gemälden und Papierarbeiten gibt es nicht nur ein Oben und Unten, ein Rechts und Links, einen Vorder- und Hintergrund. Hier treffen Interieurs auf Glasfronten, Treppenaufgänge auf Hochhausfassaden, Bergketten auf Topfpflanzen. Landschaft und Innenräume werden aufgefächert und gesplittet, verzahnen sich mit- und ineinander zu etwas gänzlich Neuem. Klar umrissene scharfe Linien definieren architektonische Elemente, die sich wiederum in ungegenständlichen Motiven verlieren. So entsteht eine Gleichzeitigkeit verschiedener Ebenen und Malweisen.

Florian Fauschs Arbeiten siedeln sich im Grenzbereich zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion an. Die kantigen Formen erinnern an die Schnitttechniken von Collagen oder Schablonen, die für geometrische Kompositionen genutzt werden. Zur Bildfindung bedient er sich der Collagetechnik, aber in einer zeitgenössischen Form. Zeitschriften, Computerspiele und Internet dienen dem Künstler mit ihren gigantischen Bildarchiven als Fundus. Als so genannter „digital native“ geht er nicht nur im Internet auf Motivsuche, die elektronischen Möglichkeiten dienen ihm ganz selbstverständlich auch als Arbeitsinstrument in Bezug auf den Bildaufbau, der teilweise am Computer entsteht und in einem weiteren Schritt auf die Leinwand oder das Papier übertragen wird. Während des Malprozesses verweben sich die Fragmente des Angeeigneten mit eigenen Ideen; Realität und Utopie verschmelzen zu einer dynamischen Gesamtwirkung.

Bei Florian Fausch wird die Architektur zur Abstraktion der Farbe. Räumlichkeit und Tiefenwirkung entstehen aus dem bewussten Einsatz einer ungewöhnlichen, kontrastierend-leuchtenden Farbpalette, aber auch durch die besondere Malweise. Er trägt die Ölfarbe in dünnen, transparenten Lagen übereinander auf, so dass die unterschiedlichen Bildschichten wahrnehmbar werden. An gewissen Stellen schimmert die Leinwand noch durch und lässt einen Blick auf den Malgrund zu. Durch die Farbschichten mit ihren Leerstellen wird das Bild in seiner Körperlichkeit fassbar. Gleichzeitig gelingt es dem in Düsseldorf ausgebildeten Maler, mit dem Bildaufbau eine illusionistische Wirkung zu erzeugen, so dass sich tatsächlicher und vorgetäuschter Raum begegnen. Seine Kompositionen zeugen von einem spezifischen Interesse für die Randzonen der Malerei.
Katrin Weilemann
 
 

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Kategorie: Gegenwartskunst

Carlo Borer

Carlo Borer – Hurricanes, Pulsars and other Curious Curves

Das durch die Ästhetik der Computertechnologie geprägte Werk des Schweizer Bildhauers Carlo Borer umfasst elegant reduzierte Objekte aus Edelstahl, die er anhand von Computer-Aided-Design (CAD) und Virtual Reality Ansätzen am Computer entwirft und mittels manueller Materialbearbeitung zur fertigen Form aus gehämmertem poliertem Edelstahl ausgestaltet und so in die reale sinnlich erfahrbare Welt transformiert.

Seine Wand- und Bodenskulpturen mit den aus der Astronomie entlehnten Titeln Pulsare bestehen aus linsenförmigen miteinander verbundenen Formen mit glänzenden Oberflächen. Präzise ausgearbeitete Linien, geschwungene Konturen und dynamische Lichteffekte charakterisieren die kreisförmigen Strukturen der Objekte. Die runden Formen aus poliertem Stahl rufen vielschichtige Spiegelungen hervor, die den Außenraum und den Betrachter mit einschließen. Beim Blick aus unterschiedlichen Perspektiven entstehen variierende visuell-räumliche Eindrücke, Momentaufnahmen eines sich im Fluss befindlichen Wechselspiels von Objekt und Betrachter. 

Seine Wandobjekte mit den Titeln Hurricanes fertigte Carlo Borer aus Autoreifen, einem Material mit besonderer Haptik, ornamentaler Struktur und sinnlicher Qualität. Die Arbeiten basieren auf der Darstellung von Wirbelstürmen, die vom Weltall aus fotografiert wurden und in der Hurricanes-Serie flächig mit Reifenprofilen veranschaulicht werden. Sie sind Sinnbild für die fortschreitende Industrialisierung zu Lasten der Natur, einem zentralen Thema des Künstlers. Carlo Borer Werk spiegelt eine spannende Interaktion von Wissenschaft, Technologie und Kunst und eine innovative Verknüpfung von virtuellen und realen Welten wieder. Seine Arbeiten lassen viel Raum für die Vorstellungskraft des Betrachters und eine persönliche Auseinandersetzung mit Fragen von Mensch und Natur.

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Über uns

Galerie-Information

Seit 30 Jahren vertreten wir zeitgenössische Kunst mit den Schwerpunkten Malerei und Skulptur.

Unser thematischer Fokus liegt auf der Neuen Figuration der 1980er und 1990er Jahre, die durch einige der von uns vertretenen Künstler entscheidend mitgeprägt wurde. Seit über einem Jahrzehnt kümmern wir uns zusätzlich verstärkt um junge Künstler, die wir mit viel Engagement und Aufwand von den ersten Anfängen bis hin zum internationalen Niveau aufbauen.

Als Brückenbauer im Markt bringen wir Künstler und Kunstinteressierte zusammen. Mit dem gleichen Engagement betreuen wir Neueinsteiger sowie Kunstkenner und Sammler. Dabei bieten wir ein umfassendes Dienstleistungsspektrum an, das weit über Beratung und Verkauf hinausgeht und unsere Kunden langfristig und ganzheitlich bei ihrem Umgang mit der Kunst unterstützt.

In unserer langjährigen Tätigkeit haben wir eine Vielzahl von Ausstellungen in öffentlichen und privaten Organisationen kuratiert und vertreten unser Programm jedes Jahr auf renommierten Kunstmessen.

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Unternehmensdaten

Gründungsjahr

1995