Markus Lüpertz
Markus Lüpertz, 1941 im tschechischen Reichenberg (heute Liberec) geboren, zählt zu den bedeutendsten Künstlern der deutschen Nachkriegsgeschichte. In den 1960er Jahren entwickelte er mit seiner „dithyrambischen Malerei“ eine expressive Bildsprache zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Der Begriff „Dithyrambus“ – inspiriert von Nietzsche – steht bei Lüpertz für eine Kunst voller Rausch, Formkraft und intellektueller Tiefe. Als zentrale Figur der sogenannten Neuen Wilden wandte er sich gegen den vorherrschenden Rationalismus der Konzeptkunst und setzte auf emotionale, gestische Malerei.
In den 1970er Jahren wandte sich Lüpertz zunehmend historischen und politischen Themen zu. Symbolträchtige Motive wie Helme oder Geweihe tauchen in seinen Werken auf – nicht als Provokation, sondern als vieldeutige Zeichen kollektiver Erinnerung. Seine Malerei bleibt offen, widerständig und fordert zur Reflexion über Identität, Verantwortung und Geschichte auf. Auch seine teils kryptischen Bildtitel laden dazu ein, Bedeutungen selbst zu erschließen.
Ab den 1980er Jahren setzt sich Lüpertz intensiv mit der Kunstgeschichte auseinander. In Serien zu Malern wie Poussin, Goya oder Cézanne interpretiert er klassische Themen neu und überführt sie in seine stilisierte, kraftvolle Formensprache. Auch sein bildhauerisches Werk – großformatige Bronzeskulpturen mit Anklängen an die Antike – unterstreicht seine Beschäftigung mit dem Verhältnis von Körper, Raum und Mythos.
Als langjähriger Rektor der Kunstakademie Düsseldorf (1988–2009) prägte Lüpertz zahlreiche junge Künstler:innen und trug maßgeblich zur Wiederbelebung figurativer Malerei bei. Seit 2014 unterrichtet er zudem an der Akademie der Bildenden Künste in Kolbermoor. Seine Werke sind international ausgestellt und in wichtigen Sammlungen vertreten. Markus Lüpertz steht bis heute für eine Kunst, die Unbequemes sichtbar macht – bildgewaltig, traditionsbewusst und kompromisslos eigenständig.
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