Ewald Janz
Im Werk von Ewald Janz gibt es keinen neutralen Einstieg. Seine Bilder öffnen keinen abgeschlossenen Raum, sondern versetzen den Betrachter in einen Zustand zwischen Verdichtung und Überforderung. Malerei und Collage greifen dabei unmittelbar ineinander: als Schichtung, Überlagerung und bewusste Störung von Lesbarkeit. Janz Arbeiten wollen nicht erklären, sondern als Erfahrung wirken.
Seine Bildfindungen entstehen aus einem offenen, prozesshaften Arbeiten. Fragmente, Übermalungen, Schnitte und Brüche bleiben sichtbar und werden zum integralen Bestandteil der Komposition. In den Collagen treffen fotografische Versatzstücke auf malerische Gesten, digitale Anmutungen auf haptische Oberflächen. Collage dient hier nicht als Zitat, sondern als zeitgenössisches Werkzeug, um Gleichzeitigkeit, mediales Rauschen und visuelle Reibung sichtbar zu machen.
In seiner Malerei arbeitet Janz aus der Nähe. Figuren drängen ins Bild, verlieren Konturen, tauchen wieder auf. Massenszenen flimmern wie verdichtete Bildströme, Porträts kippen zwischen Präsenz und Auflösung. Farbe wird zum aktiven Träger von Spannung: sie staut sich, greift über, löst sich wieder. Die Oberfläche bleibt in Bewegung und entzieht sich einer endgültigen Festschreibung.
In dieser Haltung zeigt sich eine deutliche Nähe zur Expressivität der „Jungen Wilden“. Janz greift deren rohe Energie, Direktheit und körperliche Malweise auf, überführt sie jedoch konsequent in die Gegenwart. An die Stelle gestischer Selbstbehauptung tritt eine Bildsprache, die Fragmentierung, Collage und mediale Überlagerung integriert. Die expressive Tradition wird nicht wiederholt, sondern weiterentwickelt.
Wiederkehrende Motive – Kinder, Skelette, Neonflächen, apokalyptische Fragmente – fungieren als bildnerisches Vokabular innerhalb dieses erweiterten Ansatzes. Entscheidend ist nicht das einzelne Motiv, sondern das Spannungsfeld zwischen Figur und Raum, Nähe und Distanz, Kontrolle und Kontrollverlust.
Das Thema der im Januar 2026 eröffneten Einzelausstellung „Kosmos“ in der Galerie RUBRECHTCONTEMPORARY beschreibt diesen Ansatz präzise. Unterschiedliche Bildräume und Wahrnehmungsebenen bündeln sich zu einem dichten Gefüge. Janz schafft keine Ordnung, sondern macht sichtbar, was geschieht, wenn Ordnung instabil wird. Seine Arbeiten sind roh und unmittelbar – und zugleich eine zeitgemäße Fortschreibung expressiver Malerei.
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