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Gegenwartskunst
Kategorie: Gegenwartskunst, one:artist show
Der Werk von Murshida Arzu Alpana schöpft aus ihrem authentischen Selbstverständnis, einem originellen Feingefühl für Kontext und ihrer künstlerischen Begabung: neue Zusammenhänge, Parallelen, Verflechtungen sichtbar zu machen. Sie setzt ihre Themen mutig, symbolisch und dennoch unprätentiös –- ob grafisch, in der Malerei oder in den Installationen. Unermüdlich hinterfragt sie unsere Gegenwart – stellt diese zuweilen überspitzt dar oder sie beobachtet sie still und "streichelt“ über sie hinweg.
Alpana vertritt eine unabhängige künstlerische Position, die sich fern von jedem engen Maßstab und fern jeder gängigen Hierarchie vollzieht. Und trotz ihrer zuweilen ‚unorthodoxen Perspektiven, trotz auf den ersten Blick entfremdeter oder ‚kontextloser Motive baut sie keine surrealen Kompositionen auf, sondern enthüllt auf eine fast ‚hellseherische Weise eine universelle – just unsere – Lebenswelt und damit eine Realität, die sich zwischen Komplexität und Simplizität, zwischen Engagement und Sorglosigkeit sowie zwischen Unsicherheit und Gewissheit bewegt.
Ihre Malerei ist farblich autonom und perspektivisch durchaus eigen, ja eigenwillig. Im künstlerischen Ausdruck bewegt sie sich in einer weiten Spanne zwischen einem sinnlichen Realismus und surealistischen bis zu neoexpressiven Zügen, um die Fülle des Sichtbaren und Möglichen sowie des Nicht-Erkannten und Unerreichbaren aufzufangen.
Auf der Suche nach dem Sinn der „Existenz“ sowie der „Nicht-Existenz“ verbindet sie in ihren Kompositionen sowohl ihre biografischen und interkulturellen Erfahrungen als auch universelle Themen und Symbole. Gefühle wie Entwurzelung und Heimatlosigkeit, eine überdimensionale ‚Ausdehnung der heutigen Welt, die allgemeine Vernetzung und eine gleichzeitige Beziehungslosigkeit sowie auch paradoxe Einsamkeit in einer überfüllten Welt – das sind Motive, die Alpana beschäftigen und die sie in ihren Arbeiten vermittelt: zugleich schwunghaft und präzise oder malerisch-klassisch und im nächsten Schritt dann wieder mit einer gewissen, fast „naiven“ Unbekümmertheit.
Ihre Themen schöpfen sich notwendig aus ihren autobiografischen Momenten und vermitteln dabei ihren Lebensweg als den einer Künstlerin zwischen verschiedenen Kulturen: jedoch nicht als einen exotischen Sonderweg, sondern als einen sehr persönlichen Weg, der das Klischeehafte in der gesellschaftlichen Wahrnehmung unbefangen sowie kritisch überwinden will.
Andrea Imwiehe hat sich mit ihrem Duktus, ihrer künstlerischen Technik, Herangehensweise un Themenwahl als eine unverwechselbare Künstlerin etabiliert.
„Andrea Imwiehe nimmt mit ihrer Malerei eigentlich das Wesen, die Struktureiner Erinnerung zum Anlass: Selten sind Erinnerungen ganz plastisch,vielmehr erinnern wir uns an eine Stimmung, an ein bestimmtes Licht, aneinen Geschmack oder eine Atmosphäre. Erleben wir diese Atmosphäre,dieses Licht oder diesen Geschmack noch einmal, kann dies der Anstoß imSinne von Platon sein, der unsere Verknüpfungen arbeiten lässt – wir erinnernuns an bereits vorhandenes, das tief in uns verborgen war... Die Bilder fassen drei Ebenen zusammen: Erinnerungen, Fakten oder auch nur reine Assoziationen von Stimmung aus der Vergangenheit, konstruierte Erinnerungen und die Transformation in die Jetzt-Zeit.“ (Carla Johanna Frese)
Die Malweise von Andrea Imwiehe korrespondiert mit ihrer thematischen Wahl: in mehreren Schichten und in konsequenter farblicher Aufteilung aufgebaut: dunkler Hintergrund wird zum einen naturtreu, realistisch dargestellt und zum anderen großflächig in beige oder hellblau aufgehellt mit fragilen Zeichnungen, die in den Malgrund eingeritzt sind. Es wird etwas sichtbar gemacht, was vorher verborgen war.
"Liebevoll ausgearbeitet bis ins kleinste Detail präsentieren sich die Landschaften und Naturräume in den Bildern Andrea Imwiehes. Fast könnte man meinen, den Wind im Gras wispern zu hören, fast möchte man den Duft der Blumen wahrnehmen. Und doch stört etwas auf diesen Bildern. Industrieanlagen schieben sich von hinten in das Bild, die so gar nicht zu der lieblichen Natur passen wollen – Türme, Rohrleitungssysteme, Kräne, Mauern, manchmal halb verfallen.
Diese teils brachialen menschengemachten Bauwerke sind an sich schon Kontrapunkt zur Natur – doch greift Andrea Imwiehe darüber hinaus zu einem stilistischen Mittel, das den Gegensatz auf die Spitze treibt.
Statt sie nämlich ebenso detailverliebt zu malen, ritzt die gelernte Bauzeichnerin lediglich deren Umrisse in die oberen Farbschichten bis auf die farbige Grundierung der Bilder. Damit verstärkt sie den Kontrast einer-seits und nimmt ihm doch gleichzeitig die Schärfe. Die Industrieanlagen bekommen etwas Schwebendes, Vorläufiges, fast Geisterhaftes.
Das provoziert Interpretationen. Zwei liegen auf der Hand: Des Menschen Werk wird von der Natur zurückerobert, die Natur überwuchert die immer unsichtbarer werdenden Industrieanlagen. Oder im Gegenteil: noch ist die Natur unverletzt und harmonisch, doch im Hintergrund lauert schon der Mensch mit seinen Industrien, um ihr die Flächen streitig zu machen.
Die Bilder von Andrea Imwiehe sind Erinnerungsbilder, die speisen sich aus der eigenen Erinnerung gehen aber über diese hinaus. Ihr Anliegen ist es, eine Atmosphäre durch die Malerei zu erschaffen. Sie nimmt damit eigentlich das Wesen, die Struktur einer Erinnerung zum Anlass."
Aus dem Text von Carla Johanna Frese, Kunstwissenschaftlerin
Mit Jelena Fuzinato arbeiten wir seit 2013 zusammen und begleiten intensiv ihre künstlerische Bahn seit ihrem Studium an der UdK.
Ihre Arbeiten sind von einer erfrischenden und anderweitigen Energie und zugleich von einer melancholischen Eindringlichkeit und besonderen künstlerischen Reife und Souveränität geprägt.
Obwohl Zeichnung Fuzinatos Technik ist, gehören genauso Malerei, Video- und Raum-Installationen bis hin zu Körper-Performance zu Fuzinatos künstlerischen Ausdrucksweise.
Fuzinatos Zeichnungen sind dichte, ob colorierte oder monochrome Arbeiten aus hunderttausenden Strichen des Grafitstifts, die enorme Intensität, besondere Sensibilität und eine diskrete Absolutheit besitzen. Sie zeugen von einer stillen Gefasstheit wie auch von Gefühlstiefe und einer subtilen künstlerischen Sprache. Sie zeigt ihre Zeichnungen istallativ, sie besetzt Wände und Räume, bringt sie auf Gerüste und erweitert dadurch die Reichweite der Kunst.
Fuzinato führt ihre Kompositionen zugleich zart und konsequent aus, ohne eine strenge Trennung von Akteuren und Hintergründen zu beabsichtigen; sie hinterfragt auf eine besondere, unaufdringliche Art kollektive und individuelle Vorstellungen und Erinnerungen, schafft Kulissen für ihre Akteure und Symbole, um Lebensläufe, Objekte und ‚Momente (re)konstruieren zu können.
Ihre Arbeiten besitzen eine besondere Authentizität und Originalität und stellen eine komprimierte, autochthone Welt dar, die uns fern und zugleich existenziell nahe und universal erscheint.
Galerie subjectobject agiert seit 2007 mit dem Fokus auf die zeitgenössische Kunst im interkulturellen Spektrum - in dem sich die vielseitigen, authentischen, künstlerischen Positionen und deren existentielle, kulturelle und mediale Wahrheiten und Narrative bewegen und formen sowie im aktuellen weltoffenen Kontext gegenseitig beeinflussen.
Diese neue Dynamik interessiert uns, denn sie beeinflusst die zeitgenössischen Kunst enorm, stellt sie vor neue Herausforderungen und bringt dadurch neue spannende künstlerische Qualitäten und Positionen.
2007